Eine Nacht im Rangierbahnhof Limmattal

Er ist riesig, fast soweit das Auge reicht. Der Rangierbahnhof Limmattal ist einer der grössten und leistungsfähigsten Rangierbahnhöfe Europas mit einer Gesamtfläche von 1 000 000 Quadratmetern und einer Länge von 4300 Metern. Wir haben verschiedene Stationen besucht, vom Stellwerk West bis hin zur Ausfahrgruppe im Osten. Ein Augenschein vor Ort.

19.50 Uhr

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Konzentration, Gemurmel, ab und zu mal ein Zwischenruf: Im Stellwerk West sind die Mitarbeitenden voll bei der Sache. Alle verfolgen auf Bildschirmen und der Panoramatafel das Geschehen unten auf den Geleisen und stimmen sich telefonisch oder über Funk ab. Draussen ist es bereits dunkel. Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Rangierbahnhof.

20.10 Uhr

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Während es im Stellwerk warm ist, ist es draussen im Gleisfeld deutlich kälter. Wir erfahren weitere interessante Fakten: Rund 150 Mitarbeitende der Regionalen Cargo Produktion sind auf den 120 Kilometern Gleisen mit 410 Weichen und 550 Signalen unterwegs. Ob bei Dunkelheit, Kälte, Regen oder Sturm: Im Rangierbahnhof Limmattal wird von Montagmorgen bis Samstagmorgen immer gearbeitet. Das Prinzip ist wie folgt: Güterwagen, die im Tagesverlauf von Kunden mit Waren beladen und von Sammelzügen ins Limmattal gefahren worden sind, werden abends und in der Nacht zerlegt, nach Bestimmungsorten sortiert und zu neuen Zügen formiert.

20.45 Uhr

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Gleisfeld, Einfahrgruppe: Ein Rangiermitarbeiter ist als Langmacher bei der Arbeit: Er löst die Bremsen und lockert die Kupplungen und bereitet die Züge so vor, dass sie anschliessend in Wagen oder Wagengruppen zerteilt werden können. Eingekleidet ist er von oben bis unten komplett in orange. Sicherheit hat oberste Priorität. Die Langmacherliste zeigt ihm an, welche Wagen bei der Weiterfahrt zusammenbleiben. Der Mitarbeiter zückt sein Funkgerät. Er signalisiert, dass er mit dem Zug fertig ist. Anschliessend werden die Wagen mit einer Am 6/6 Rangierlok über den Ablaufberg geschoben.

20.50 Uhr

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Vom Gleisfeld der Einfahrgruppe gehen wir weiter zum Ablaufberg. Vor dem Hauptberg warten die Auswerfer mit ihren Eisenstangen auf Kundschaft. Die Wagen rattern im Flutlicht heran und werden von den Auswerfern gekonnt voneinander getrennt. Metall kommt hier auf Metall, technisches Feingefühl gepaart mit harter Arbeit ist gefragt. Ordnung ist dabei alles: Auch die Auswerfer arbeiten mit einer Liste, die anzeigt, welche Wagen getrennt werden und welche nicht.

20.55 Uhr

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Die Wagen fahren über den Ablaufberg und reihen sich in einem der 64 Richtungsgleisen für die Weiterreise ein. Vorher durchqueren sie jedoch die Lichtschranke nach dem Ablaufberg; diese misst verschiedene Parameter: Ist die Anzahl Achsen korrekt? Wie hoch ist das Gewicht? Wir stehen fasziniert am Ablaufberg und sehen immer neue Wagen aus der Dunkelheit auftauchen.

21.10 Uhr

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Die Richtungsgleisbremse, die elektromagnetisch funktioniert, reduziert die Fahrgeschwindigkeit der Wagen auf 5 km/h. Durch die Messung bei der Lichtschranke ist die Bremse richtig eingestellt. Sonst würden die Wagen unten am Ablaufberg ungebremst in die schon vorhandenen Wagen in der Richtungsgruppe prallen und Wagen und  Inhalt beschädigen.

21.20 Uhr

Die abgebremsten Wagen rollen aus und bleiben dann stehen. Jetzt übernimmt ein zwischen den Schienen eingebauter Förderwagen – und der hat mächtig Kraft. Damit noch weitere Wagen im Gleis Platz finden, transportiert er wie von Geisterhand die Güterwagen an den richtigen Ort weit nach vorne im Gleis, so dass die Wagen wieder miteinander verbunden werden können. So haben ganze Züge im Gleis Platz.

22.15 Uhr

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Nun ist der Fertigmacher am Zug: Er kuppelt die Wagen neu, verbindet die Bremsschläuche wieder miteinander und kontrolliert die Bremsen. Zwischendurch muss er auch Hemmschuhe legen. Diese stellen sicher, dass der Wagen sich nicht mehr bewegt. Er wird zwischen Rad und Schiene gelegt. Der Tourenplan zeigt dem Mitarbeiter genau, welche Arbeit wann zu tun ist. Wir stehen auf dem grossen Gleisfeld im Osten; immer wieder tauchen Mitarbeitende aus der Dunkelheit auf und verschwinden gleich wieder zwischen den Wagen. Hier weiss jeder genau, was zu tun ist.

22.30 Uhr

Jetzt kann die Rangierlok den Zug zusammenfahren und für die Abfahrt bereitstellen. Wir machen uns mit dem Teamleiter Paolo Mele wieder auf den Weg. In der Dunkelheit geht die Arbeit weiter, der Betrieb darf nicht stillstehen. Schliesslich muss die Ware pünktlich beim Kunden ankommen.

Autor

Miriam Wassmer
Miriam Wassmer

17 Artikel

Ein Kommentar zu “Eine Nacht im Rangierbahnhof Limmattal

  1. Nicolas Steinmann schrieb am :

    Wirklich faszinierend diese Nachtaktivitäten, die in der Schweiz ermöglichen, einen so großen modalen Split des Güterverkehrs zu Gusten der Schiene.

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