Eisenbahn 4.0 (Teil 2): RENFE erhöht mit Datenanalyse Pünktlichkeit

Im zweiten Teil unserer Serie über die Rolle der Eisenbahn bei der vierten industriellen Revolution stellen wir ein weiteres Beispiel aus Europa vor: Gemeinsam mit dem Zughersteller Siemens hat das spanische Bahnunternehmen RENFE eine Pünktlichkeitsrevolution erreicht. Möglich macht dies das Internet der Dinge und die Datenanalyse.

RENFEMit einer einzigartigen «Geld-Zurück-Garantie» punktet das staatliche spanische Bahnunternehmen RENFE (Red Nacional de los Ferrocarriles Espanoles), das seit seiner Gründung im Jahr 1941 den gesamten Personen- und Güterschienenverkehr des Landes betreibt, im Wettkampf mit dem Flugzeug.

Ab einer Verspätung von 15 Minuten bekommt der Fahrgast den kompletten Ticketpreis erstattet. Möglich ist dieses Angebot, weil die 26 Siemens-Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro E auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona beziehungsweise der Hauptstadt und Malaga heute eine Pünktlichkeit von 99,9 Prozent haben.

Datenströme aus Zügen auf der ganzen Welt
Um eine möglichst hohe Verfügbarkeit zu erreichen, sind 160 Service-Mitarbeiter im 24-Stunden-Service im Einsatz und nutzen dabei die Datenanalyse und das Internet of Things (IoT). «Noch bevor die Schienenfahrzeuge in die Werkstatt einrollen, wissen wir bereits, was getan werden muss», sagt Gerhard Kress. Er sitzt im Mobility Data Services Center (MDS) von Siemens in München-Allach. Dort laufen die Datenströme von Lokomotiven, Highspeed-Zügen und Regionalzügen aus Europa und aussereuropäischen Ländern zusammen.

Daraus haben an die 20 Programmierer, Datenbankexperten und Implementations-Manager in Deutschland ein datengetriebenes Serviceangebot im Schienensektor entwickelt: Für die Echtzeitüberwachung von Zügen, die Vorhersage des Verschleisses und Ausfalls von Komponenten und die Analyse komplexer Fahrzeugprobleme. Auch die Informationen aus den RENFE-Zügen werden hier in Echtzeit mit Hilfe der Sinalytics-Plattform von Siemens analysiert und in konkrete Handlungsanweisungen für die Servicetechniker umgesetzt.

Ersatzteile kommen aus dem 3D-Drucker
Doch im MDS geht man inzwischen schon einen Schritt weiter: Anstatt ein benötigtes Ersatzteil aus dem Lager zu ordern, kann die Software bei einem drohenden Defekt auch einen Auftrag an einen 3D-Drucker erteilen, der im Siemens-Servicecenter oder in Zukunft vielleicht sogar direkt beim Kunden steht.

In Deutschland, Schweden, Thailand und den USA hat der Bahnlieferant bereits sein intelligentes 3D-Druck-Netzwerk etabliert. Innerhalb von nur zwei Stunden kann hier mit der Fertigung des gewünschten Teiles begonnen werden. Aufwändige und zeitraubende Transporte gehören ebenso der Vergangenheit an, wie Schwierigkeiten mit der Zollabfertigung.

Für den spanischen Zugbetreiber RENFE hat sich der Schritt in die digitale Zukunft auf jeden Fall schon ausgezahlt: Wegen der hohen Pünktlichkeit nimmt heute fast die Hälfte aller Reisenden auf den beiden Strecken den Zug statt das Flugzeug, früher war das nur jeder zehnte.

Autor

Wolfgang Müller
Wolfgang Müller

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