Eisenbahn 4.0 (Teil 3): Vernetzte Güterzüge bei DB Cargo

Für die erste industrielle Revolution spielte die Eisenbahn eine zentrale Rolle. Ein Vorreiter ist sie zwar bei Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge derzeit in Europa noch nicht. Doch immer mehr Güterbahnunternehmen nutzen die neuen Möglichkeiten. So auch die DB Cargo in Deutschland, wie der dritte Teil unserer Serie zeigt.

Nürnberg Rbf mit ausfahrendem GüterzugDen entscheidenden Anstoss gab ein Besuch im Silicon Valley vor fast zwei Jahren. Experten der deutschen Güterbahn DB Cargo besuchten damals grosse Internetunternehmen wie Google und suchten nach Anregungen, wie sich die Zukunft des Güterverkehrs intelligent gestalten lässt. Mittlerweile existiert eine Versuchsflotte von 500 verschiedenen Wagen, die mit zahlreichen Sensoren ausgestattet sind und die neuen Ideen in der Praxis testen.

Dazu gehören beispielsweise GPS-Tracker, Waagen, Stosssensoren, Feuchtigkeitsmesser und Temperaturfühler, die ihre im 15-Minuten-Takt erfassten Daten über Mobilfunk an einen zentralen Rechner schicken. Dort werden die entscheidenden Informationen aus der Datenflut herausgefiltert und für die Steuerung von Prozessen zur Verfügung gestellt. Organisiert wird das Ganze im «Asset Intelligence Lab» von DB Cargo im «House of Logistics and Mobility» am Flughafen Frankfurt am Main. Zwischen 50 und 60 Mitarbeiter sind hier in den einzelnen Projekten tätig.

Über 80 Anwendungsfelder mit Kundennutzen
Sie haben ein ehrgeiziges Ziel: Nach und nach soll die gesamte Flotte der rund 100 000 Wagen der deutschen Güterbahn digitalisiert und vernetzt werden. «Digitalisierung im Schienengüterverkehr ist notwendig, darf aber kein Selbstzweck sein», unterstreicht Steffen Bobsien, Bereichsleiter European Asset Management bei DB Cargo.

Zu den bisher rund 80 in dem Frankfurter Labor identifizierten Anwendungsfeldern zählt etwa das GPS-Tracking für Automobilhersteller, die dadurch ihre Just-in-time-Lieferketten jederzeit besser im Blick behalten können. Oder wenn eingebaute Waagen eine gefährliche Überladung beim Schrott-Transport verhindern und sich die Beförderung von Lebensmitteln durch Feuchtigkeits- und Temperatursensoren besser überwachen lässt.

Optimierte Instandhaltung von Loks und Rollmaterial
Künftig soll sich der exakte Lauf des Zuges verfolgen und auch der Standort des einzelnen Wagens jederzeit europaweit orten lassen. Das verringert Standzeiten und optimiert den Umlauf. Aus der permanenten Übermittlung von Laufleistung, Beladung und Stössen ergibt sich eine digitale «Verschleisshistorie», mit deren Hilfe die Instandhaltung des Rollmaterials dem Bedarf genauer angepasst werden kann.

Ähnliches macht die DB Cargo heute schon mit einem Teil ihrer Loks. Im Rahmen des Programms «Techlok» wurden 660 Streckenlokomotiven mit digitalen Sensoren ausgerüstet, deren Messdaten bereits frühzeitig Hinweise auf anstehende Wartungen und Reparaturen geben. «Perspektivisch eröffnet die Digitalisierung des interoperablen Schienengüterverkehrs bisher nicht vorhandene Möglichkeiten in Bezug auf Transparenz und Einsatzeffizienz», zeigt sich Bobsien.

Und damit ist DB Cargo nicht allein: Auch SBB Cargo arbeitet intensiv an Konzepten im Bereich Automation und Digitalisierung. Zudem wird derzeit der «Güterwagen der Zukunft» gebaut, welcher leise, leicht, laufstark, logistikfähig und life-cycle-cost-orientiert ist. Er startet Mitte 2017 in die vierjährige Testphase. Im letzten Teil der Serie «Eisenbahn 4.0» werden weitere Digitalisierungsinitiativen von SBB Cargo vorgestellt.

Autor

Wolfgang Müller
Wolfgang Müller

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