«Wir haben viel gekrampft»

Güterverkehr im Wandel – Hans-Rudolf Haller (Teil 4). Hans-Rudolf Haller ist Mitarbeiter bei der Regionalen Cargo Produktion in Suhr. Nach 47 Jahren bei der SBB wird er nächsten Sommer pensioniert. Was das positive Jahresergebnis von SBB Cargo für ihn bedeutet, erzählt er in der aktuellen Blogserie.

«Mein Bubentraum war es, Rheinschiffer zu werden», sagt Hans-Rudolf Haller schmunzelnd. «Aber leider konnte ich nicht schwimmen». So kam es, dass er als junger Bursche kurz vor seinem Schulabschluss ziemlich orientierungslos dastand. Glücklicherweise wohnte in seinem Dorf ein SBB-Mitarbeiter. Dieser riet ihm, sich in Aarau bei der SBB vorzustellen. Nach einigen Tagen Rangieren, Güterwagen Reinigen sowie Ein- und Ausladen bot man Haller eine 18-monatige Jungarbeiterlehre an, die er am 1. Juni 1968 antrat. Seit diesem Tag ist er ein Vollblutbähnler.

Hans-Rudolf Haller als Stellwerkbeamter
Hans-Rudolf Haller als Stellwerkbeamter in den 70ern
Hans-Rudolf Haller vor der neuen Hybridlok in Suhr
Hans-Rudolf Haller vor der neuen Hybridlok in Suhr

In seiner langjährigen SBB-Karriere hat sich Haller kontinuierlich hochgearbeitet: vom Betriebsarbeiter wurde er bald zum Rangierarbeiter befördert. Als solcher wurde er gar dienstbefreit und musste nicht in den WK. Ab 1975 arbeitete er mehr als 10 Jahre in Aarau als Stellwerkbeamter. Bis zur Aufteilung der SBB in Divisionen im Jahr 1999 arbeitete er danach als Rangiergruppenleiter. Die Wagendaten wurden damals manuell erfasst. «Das war noch konkret. Arbeit zum Anfassen. Der zunehmende Einsatz von Computern macht mir Mühe» sagt Haller.

Nach der Divisionalisierung nahm er in Lenzburg eine Stelle als Leiter Clean Team an. Er hielt es allerdings nicht lange aus: «Ich war und bin einfach ein Rangierer». So stand er vor der Entscheidung: entweder zurück zu den Gleisen oder die SBB verlassen. Bald darauf bekam er in Aarau eine Stelle als Rangierarbeiter. Seit 2001 ist er in Suhr als Rangiermeister tätig. «Die Rangierarbeit hat mir immer sehr gefallen. Auch heute noch.» Was ihm allerdings zu schaffen mache, sei der Umgang mit den Kunden. Dieser sei sich im Vergleich zu früher weniger persönlich geworden.

Haller hat sich in den letzten Jahren häufig über die Kritik wegen der dauerroten Zahlen bei SBB Cargo geärgert. In seinem Bekanntenkreis wurde er deswegen oft auf die Schippe genommen. Das positive Jahresergebnis 2013 war nun noch kein Thema. Das komme dann wahrscheinlich während der Ostertage. Er sei durchaus stolz auf das Erreichte. «Es kam in den letzten Jahren viel Druck von oben, und wir haben viel gekrampft». Trotz Druck und Einbussen schwarze Zahlen erreicht zu haben, freue ihn. «Es ist auch schön, nach diesem Einsatz die Anerkennung der Geschäftsleitung zu spüren».

Nach über 40 Jahren schreibt der Güterverkehr bei der SBB im Jahr 2013 wieder schwarze Zahlen. Wie kam es vom letzten positiven Ergebnis zum aktuellen? Dazu erscheint auf dem Cargo Blog eine kleine Serie, in der sich langjährige Mitarbeitende erinnern.

Bisher erschienen:

Pierre Noethiger (Teil 1)

Beat Lampart (Teil 2)

Jürg Bommer (Teil 3)

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