«Die Arbeit macht mir immer noch grossen Spass»

Güterverkehr im Wandel – Zita Wyss (Teil 5). Als Kind half sie mit beim Ausladen der Gepäckwagen, nach der Schule entschied sie sich für eine Anlehre bei der Bahn. Heute macht Zita Wyss (57) die Dienstpläne für 74 Lokführer im Depot Olten. Die Sanierungsmassnahmen bei SBB Cargo waren nicht einfach zu verkraften, sagt sie.

  Zita Wyss, älteres Bild Zita Wyss, aktuelles Bild
Zita Wyss (links ca. im Jahr 1998, rechts 2014)

Schon als Kind war für Zita Wyss die Bahnwelt Teil ihres Alltags. Ihr Vater arbeitete zunächst als Gleisbauer und machte in den 1960er Jahren noch eine Ausbildung als Kondukteur (heute: Reisezugbegleiter), ihre Mutter war Verkäuferin. Der Vater nahm sie und ihren Cousin öfters mit zur Arbeit, manchmal durften sie sogar im Führerstand mitfahren oder halfen beim Ausladen des Gepäckwagens. «Das waren andere Zeiten», sagt Wyss, während wir in ihrem Büro im Lokführerdepot Olten sitzen, das hinter dem Bahnhof zwischen den Geleisen eingeklemmt ist.

Deshalb war es folgerichtig, dass auch Zita Wyss sich für eine Anlehre bei der SBB entschied. Sie machte diese in der Güterverwaltung in Basel. Anschliessend wechselte sie ins SBB-Industriewerk Biel, wo sie das technische Archiv leitete. Dort fotografierte und zeichnete Sie am Reissbrett Loks und Wagen. Das alles hat sie sich selber angeeignet.

Im Jahr 2002, kurz nach der Aufteilung der SBB in Divisionen, wurde sie bei der jungen SBB Cargo Einteilerin des Lokpersonals. «Nach 25 Jahren war es einfach Zeit für etwas anderes», erinnert sich Wyss. Während unseres Gesprächs klingelt immer wieder ihr Telefon: Kein Wunder, ist sie doch verantwortlich für die Dienstpläne von 74 Lokführern, da gibt es viele Anliegen und Wünsche. Sie kennt ihre Lokführer und deren familiäre Situation. Dank den persönlichen Kontakten schafft sie es, für alle einen möglichst guten Arbeitsplan zu machen. Wenn mal ein Lokführer kurzfristig ausfalle, habe sie keine Probleme, einen Ersatz zu finden. Sie brauche dafür meist nur zwei drei Telefone, betont sie.

Nächstes Jahr wird sie nicht mehr im Depot bei den Lokführern, sondern voraussichtlich in den modernen Büros am neuen Hauptsitz von SBB Cargo in Olten arbeiten. Ihre Stelle wird neu ausgeschrieben, und sie muss sich erst noch bewerben. Sie bedauert, dass in Zukunft die Einteiler weiter weg vom Lokpersonal sind und persönliche Kontakte seltener werden. Zukünftig werden Loks und Lokpersonal in einer neuen Software geplant.

Über die schwarze Null bei SBB Cargo kann sie sich nur bedingt freuen. «Im letzten Jahr gab es wegen der Sanierungsmassnahmen harte Einschnitte. Ich musste lange für einen neuen Bürostuhl kämpfen», sagt sie seufzend. Trotzdem kann sie sich hinter das Unternehmensziel der schwarzen Null stellen. Ein Firmenwechsel kommt für sie nicht in Frage, sie möchte SBB Cargo treu bleiben. «Meine Arbeit macht mir immer noch grossen Spass.»

Nach über 40 Jahren schreibt der Güterverkehr bei der SBB im Jahr 2013 wieder schwarze Zahlen. Wie kam es vom letzten positiven Ergebnis zum aktuellen? Dazu erscheint auf dem Cargo Blog eine kleine Serie, in der sich langjährige Mitarbeitende erinnern.

Bisher erschienen:

Pierre Noethiger (Teil 1)

Beat Lampart (Teil 2)

Jürg Bommer (Teil 3)

Hans-Rudolf Haller (Teil 4)

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