«Wenn ich die Berge sehe, fühle ich mich zu Hause»

Danya Fornera ist eine von fünf Lokführerinnen bei SBB Cargo. Sie stammt aus dem Tessin und arbeitet in Bülach. In einer Serie porträtieren wir Frauen in verschiedensten Berufen und Positionen bei SBB Cargo.

Danya Fornera

Wir treffen Lokführerin Danya Fornera (25) kurz vor Dienstantritt im Bahnhof Bülach. Sie trägt trotz kühlem Frühlingswetter eine ärmellose Jacke, aus der zwei kräftige Oberarme hervorschauen. «Wenn der Frühling einmal begonnen hat, tragen wir Tessiner keine Winterkleider mehr», sagt sie später im Pausenraum des Lokführerdepots von SBB Cargo in Bülach. Fornera stammt aus Ascona, sie machte im Industriewerk Bellinzona eine Lehre als Polymechanikerin. Dann entschied sie sich für den Lokführerberuf, und weil im Tessin gerade keine Ausbildung durchgeführt wurden, machte sie diese in der Deutschschweiz. «Ich bin meines Wissens die erste Tessiner Lokführerin», erklärt sie stolz.

Männer hatten sich lange Zeit dagegen gewehrt, dass auch Frauen den Lokführerberuf ergreifen konnten. Erst im Jahr 1991 schloss Renate Jungo, die erste Frau, die Lokführerausbildung ab. Zuvor war eine absolvierte Rekrutenschule Voraussetzung gewesen, um diesen Beruf erlernen zu können, was den Frauen den Weg versperrte. Heute gibt es bei SBB Cargo fünf Lokführerinnen, zwei davon arbeiten im Lokdepot Bülach. «Ich freue mich immer, wenn ich meine Kollegin treffe», sagt sie lachend. Sie verstehe sich aber auch gut mit männlichen Kollegen.

Für Fornera ist es selbstverständlich, dass Frauen Züge fahren. Regelmässig hängt sie bei der Arbeit von Hand Güterwagen an und ab, was ziemlich viel Kraft erfordert. Sie schafft das ohne Probleme. Fornera, deren Vater bei der Grenzwache arbeitete, war schon in den ersten drei Lehrjahren in Bellinzona die einzige Frau. Wie kommt sie in der Männerwelt zurecht? «Im Tessin verhalten sich die Männer zum Teil etwas machohaft, in der deutschen Schweiz üben sie mehr Zurückhaltung, das finde ich besser.» Sie arbeitet erst seit Anfang Jahr bei SBB Cargo, zuvor war sie für den SBB Personenverkehr tätig: Dort gibt es etwas mehr Lokführerinnen.

Das Tessin, ihre Familie und ihre Freunde vermisst sie schon ein wenig. Ihr Traum ist es, als Lokführerin über die Gotthard-Bergstrecke zu fahren. Einstweilen fährt sie Güterzüge bloss bis Erstfeld. «Wenn ich die Berge sehe, fühle ich mich zu Hause», meint sie noch, bevor sie sich verabschiedet, um ihren Dienst anzutreten.

Bisher erschienen:

Sollen Mädchen mit der Eisenbahn spielen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.