Elektro-Lastenvelos als Stadt-Transportmittel: Das Aus für das Auto?

Werden Kaffeemaschine und Computer bald mit dem Velo nach Hause geliefert? Die Nutzung von Cargo-Bikes mit Elektromotor im innerstädtischen Güterverkehr birgt ein grosses Potential hinsichtlich Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit.

Cargo-Bike im Einsatz
Cargo-Bike im Einsatz

Mit dem Projekt «Ich ersetze ein Auto» haben Wissenschaftler des Instituts für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) den Einsatz von Elektro-Lastenrädern im Kurier- und Expressdienst in den City-Bereichen von acht deutschen Grossstädten getestet. Das Ergebnis: CO2-Emissionen und Feinstaubbelastungen durch den Lieferverkehr in den Stadtzentren kann mit so genannten Cargo-Pedelecs entgegengewirkt werden. Wesentlicher Vorteil der Elektro-Lastenvelos ist der Transport grösserer und schwerer Sendungen, der bisher nur mit dem Auto bewerkstelligt werden konnte. Daneben lassen sich aber auch mehrere kleine Sendungen in einer Cargobox kombinieren, wodurch der Anteil der sogenannten «Lastkilometer» (die vom Kunden bezahlte Auftragsdistanz) an der Gesamtfahrstrecke erhöht wird und sich die Wirtschaftlichkeit der Logistikdienstleister verbessert.

Die insgesamt 40 Elektro-Lastenvelos im Feldtest wurden sehr gut angenommen und in den Alltag der beteiligten Kurier- und Expressdienstleistungsunternehmen eingebunden. «Monatlich kamen die Fahrzeuge bei bis zu 8.000 Aufträgen kontinuierlich zum Einsatz», berichtet Johannes Gruber, Projektleiter im DLR-Institut für Verkehrsforschung. Das entspricht über acht Prozent aller von diesen Unternehmen durchgeführten Sendungen. Witterungsbedingte Ausfälle, etwa durch Eisglätte, waren nur an einzelnen Tagen zu verzeichnen.

«Auch in der Schweiz sind die Elektro-Cargo-Bikes eine Alternative zum motorisierten Lieferverkehr in den Innenstädten, gerade in engen Altstadt-Gassen wie zum Beispiel in Basel», sagt Stella Schieffer, Gründerin und Geschäftsleiterin der PolyPort GmbH in Zürich. Die im Jahre 2012 gegründete Firma ist Pionier im Bereich «Crowdsourcing» von Logistik und entwickelt neue Lieferkonzepte auf der letzten Meile, wie z.B. das Kartoffeltaxi oder BringBee, einen Mitbringservice für Einkäufe. «Es bewegen sich ohnehin schon sehr viele Leute in den Städten, die ungenutzte Transportkapazitäten haben – etwa auf dem Rücksitz ihres Autos», erläutert sie ihren Ansatz eines «Crowd-Logistik-Netzwerks».

Um bei den derzeitigen Wachstumsraten im E-Commerce in ein paar Jahren nicht einen Liefer-Kollaps in den Stadtzentren erleben zu müssen, seien – so die Expertin – dringend Innovationen erforderlich. Die Elektro-Lastenvelos oder die Einbindung von Privatpersonen in die Logistikkette könnten dabei Mosaiksteinchen in einem integrierten Gesamtkonzept für lebenswerte Innenstädte sein.

2 Kommentare zu “Elektro-Lastenvelos als Stadt-Transportmittel: Das Aus für das Auto?

  1. Guten Tag Herr Müller
    Spannender Artikel zum Lastenrad. Wir beobachten diesen Trend nun auch schon seit längerer Zeit und sehen auch grosses Potential für den Kindertransport mit den Bikes. Zu diesem Thema haben wir auch Anfang 2014 das Berner Projekt „CaKi-Bike“ (Cargo- und Kinderbike) lanciert – mit grossem Erfolg bereits über 100 Familien konnten im Rahmen des Projekt den Kindertransport per Cargo E-Bike erproben. Gerne kann ich Sie mit mehr Informationen versorgen, falls Sie das Thema weiter interessiert.

    Freundliche Grüsse

    Alain Brügger
    Mobilitätsakademie

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