Mein Arbeitsgerät: Die elektronische Lokführerassistentin

Eine neue Serie im Cargo Blog widmet sich Geräten, mit denen Mitarbeitende von SBB Cargo täglich hantieren. In der ersten Folge geht es um die elektronische Assistentin LEA, die dem Lokpersonal wichtige Informationen zur Strecke wie die erlaubte Geschwindigkeit und allfällige Baustellen gibt.

Jürgen_Rakow

Jürgen Rakow mit LEA-Gerät (oben rechts).

Jürgen Rakow (49) steht mit einem schmucken Lederköfferchen vor dem Lokführerdepot in Dietikon. In dem handtaschengrossen Koffer hat er alles dabei, was er im Führerstand einer Lok benötigt: Handy, iPad und seine Assistentin LEA. Es ist natürlich keine Assistentin aus Fleisch und Blut, sondern eine elektronische, ein Dellcomputer, und ihr Name ergibt sich aus der Bezeichnung «Lokführer Electronic Assistant».

Inzwischen sind wir im Bahnhof Zürich-Altstetten, gerade ist der Postzug aus Lausanne-Triage eingefahren. Der Kollege aus der Romandie klettert aus dem Führerstand der Re 420, Jürgen Rakow übernimmt. Der Container-Zug ist mit Paketen der Schweizerischen Post beladen. Rakow klappt den Computer auf. Zug Nummer 50717 fährt um 14h27 in Altstetten ab, er sollte um 15h16 in Frauenfeld sein. Es ist aber lange nicht nur der Fahrplan, der auf der elektronischen Assistentin zu finden ist. Diese gibt auch Hinweise auf Steigung und Gefälle, auf Distanzen und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und auf Baustellen: Kurz nach der Abfahrt machen Arbeiter in orangen Gewändern Gleisarbeiten, Rakow drosselt das Tempo. Nach 150 Metern ist die Baustelle vorbei, und er kann wieder beschleunigen.

Was ist, wenn das Gerät einmal ausfallen sollte? Für diesen Fall kann Rakow auf das iPad zurückgreifen. Da sind alle wichtigen Informationen sowie alle Sicherheitsbestimmungen gespeichert. «Es gibt aber kaum Ausfälle, LEA arbeitet sehr zuverlässig», findet der Lokführer. Früher musste er grossformatige Ordner mitnehmen mit allen Fahrplänen, dank der modernen Technik ist das heute nicht mehr nötig.

Kurz vor der Durchfahrt im Bahnhof Winterthur erhält Rakow über LEA die Meldung aus der Betriebszentrale, das Tempo zu reduzieren. Es handelt sich eine unverbindliche Empfehlung, um zu verhindern, dass der Güterzug vor dem nächsten Signal vollständig anhalten muss. Auf diese Weise soll der Energieverbrauch verringert werden, das Pilotprojekt nennt sich adaptive Lenkung (ADL).

Um viertel nach drei sind wir schliesslich in Frauenfeld im Anschlussgleis der Post. Diese holt den Container-Zug mit ihrer eigenen Lok ab, und Rakow übernimmt mit seiner Lok einen Güterzug nach Romanshorn. Er schaut auf seinen Fahrplan in LEA und meint: «Wenn ich Glück habe, reicht es dort, in der Pause einen kurzen Spaziergang zum Bodensee zu machen.»

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