«Es wird autonom fahrende Züge geben»

Zukunftsforscher Lars Thomsen träumt von intelligenten Containern und der Palette, die mitdenken kann. Im Interview erläutert der Gründer und Chief Futurist des Think-Tanks «future matters» aus Zürich zudem, warum es künftig weniger Staus geben wird.

Lars Thomsen
Zukunftsforscher Thomsen: «Selbstfahrende Autos werden in rund 400 Wochen immer mehr zum Standard werden.»

Herr Thomsen, der Individualverkehr platzt nicht nur in den Metropolen und Ballungsgebieten aus allen Nähten. Werden wir im Stau ersticken?
Besserung ist in greifbarer Nähe: Dabei hilft die ständig und rasant zunehmende «Smartness» unserer Umwelt: Smartphones, Autos, Busse kommunizieren untereinander und mit Ampeln, regeln das Vorankommen in Echtzeit miteinander und lotsen uns mehr und mehr schneller durch unsere Welt. Selbstfahrende Autos werden in rund 400 Wochen immer mehr zum Standard werden, und diese können dann besser und intelligenter fahren, als ein noch oder schon wieder müder und abgelenkter Mensch im Berufsverkehr. Berechnungen zufolge verringern autonome Autos die Dauer der Staus um 20 bis 30 Prozent. Vereinzelt wird es zwar immer noch mal einen Stau geben, aber im Jahr 2024 werden wir alle wesentlich stress- und staufreier reisen und zur Arbeit kommen.

Das klingt sehr optimistisch, wo sehen Sie heute schon konkrete Ansätze für ein solches Mobilitätsmanagement?
Jeder Fahrgast mit einem Smartphone kann bestätigen: Die Transparenz, die der Nutzer durch die Mobilität-Apps und mobile Geräte bekommt, macht bereits heute das Nutzen von öffentlichem Verkehr wesentlich einfacher und komfortabler. Schon Ende dieses Jahrzehnts werden wir uns fragen, wie wir «früher» – also zum Beispiel noch im Jahr 2014 – ohne diese Dinge überhaupt öffentliche Verkehrsmittel nutzen konnten. Darüber hinaus werden Smartphone & Co. schon «vorausdenken» und noch bevor jemand überhaupt aus der Tür geht, ihm die beste und entspannteste Route und Reisemöglichkeit raussuchen und vorschlagen.

Cargo Magazin 3/14

Im neuen Cargo Magazin dreht sich alles um die Faszination Güterverkehr. Das Heft ist erhältlich ab dem 24. Oktober 2014. Zum Abo.
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Und wie sieht es mit dem Güterverkehr aus, der ja einen ziemlich hohen Anteil an den Staus auf Autobahnen und in den Innenstädten hat?
Da wird etwas Ähnliches passieren wie im Personenverkehr: Auf der einen Seite wird es autonom fahrende Lastwagen und Züge geben. Und auf der anderen Seite wird die Logistik immer «schlauer», so dass sich die Güter automatisch den effizientesten Weg an ihr Ziel suchen werden – beispielsweise unter Zeit- oder Kostengesichtspunkten. Das funktioniert dann so, wie heute bei den Datenpaketen im Internet. Dabei werden sich die Verkehrssysteme gegenseitig entlasten. Etwa indem auch Güter von der Strasse auf die Schiene verlagert werden. Bisher ist hier vieles noch sehr inneffizient. Aber je mehr sich die künstliche Intelligenz durchsetzt und beispielsweise ein Container oder eine Palette «mitdenken» kann, umso flexibler werden die Logistiksysteme. Wir sind dann auch nicht mehr so starr auf den einen oder anderen Verkehrsträger fixiert.

Welche Herausforderungen stehen vor diesem Hintergrund aus Ihrer Sicht vor den Verkehrs- und Logistikunternehmen?
Mobilitäts- und Informationsnetze verschmelzen zunehmend. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Informationstechnologie verändert, ist dabei die wohl grösste Herausforderung für die Verkehrsunternehmen. Aber der Nutzer wird immer stärker fordern, das Mobilität genauso «smart» wird, wie die meisten anderen Bereiche unseres Lebens. Dafür braucht es frisches Denken von Menschen, die in der Lage sind, über die Grenzen ihrer Branche hinaus zu denken. Diese zu finden und zu binden ist wahrscheinlich die grössere Herausforderung als die eigentliche Einführung dieser Technologien.

Zur Person:
Lars Thomsen gilt als einer der einflussreichsten Experten für die Zukunft der Energie, Mobilität und Smart Networks. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit ist der 46-Jährige auch Mitglied zahlreicher Think Tanks sowie der World Future Society in Washington D.C. Lars Thomsen lebt mit seiner Familie am Zürichsee in der Schweiz.

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