Eine Scheibe des Kuchens aus Brüssel: Genua, Barcelona und Marseille wollen Hinterlandverbindungen verbessern

Die Mittelmeerländer sollten nicht nachlassen, sich wie bereits in der Vergangenheit auch künftig für eine effiziente und nachhaltige Logistik einzusetzen. Zur Realisierung diverser Pläne in diesem Bereich visieren sie das EU-Förderungsprogramm als Finanzstütze an und gehen damit ein Stück weit in Konfrontation zu den Nordhäfen.

In einer Pressemitteilung der Intermed Gateways (1998 gegründet von den Häfen Barcelona, Marseille und Genua) betonten Vertreter dieser drei Mittelmeerumschlagplätze, dass das angekündigte EU-Förderungsprogramm für nachhaltige und skalierbare Logistiklösungen auch in der Mittelmeer-Region eingesetzt werden müsse. Sie reagierten damit auf die Nordhäfen, die kürzlich mit ihrer Ansicht an die Öffentlichkeit traten, dass sie berechtigte Ansprüche auf einen grossen Teil der Fördermittel hätten.

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Genua: Wichtiges Bindeglied im Verkehr nach Nordeuropa, aber auch nach Nordafrika und Mittelost. Foto: Roberto Merlo

«Das neue TEN-T-Förderungsprogramm ist eine einzigartige Gelegenheit für die europäische Logistikbranche, ein umweltfreundliches und nachhaltiges Transportsystem zu entwickeln. Dazu gehören in erster Linie die Hinterlandverbindungen der Südhäfen», erklärten die Sprecher der drei Mittelmeerhäfen.

Mittelmeer-Einfalltore im Mittelpunkt

Die südeuropäischen Häfen seien daher bereit, ihre Ansichten mit der Europäischen Kommission zu diskutieren, wie man die TEN-T-Fonds effizient verteilen könnte.

Dabei müsse berücksichtigt werden, welche Rolle die Mittelmeer-Gateways bei der europäischen Fracht­konnektivität spielen könnten. «Die gegenwärtige europäische Logistik erzeugt für die europäischen Bürger unnötigen umweltbedingten Stress. Dank der weitreichenden Verbesserungen in der Infra­struktur, Effizienz und Produktivität seien die Südhäfen in der Branche dafür bekannt, eine wettwerbsfähige ­alternative Lösung zur Verbesserung der Lieferkette der europäischen Industrien und Konsumenten anzubieten.

Der Entwicklungstrend in den Mittelmeerhäfen, der ebenfalls von der EU-Politik und durch Geldmittel unterstützt werde, sollte in den kommenden Jahren fortgesetzt werden, um ein ausgeglichenes Frachttransport- und Logistiksystem zu realisieren. «Das schliesst zwei sich ergänzende Häfen-Ranges (Mittelmeer und Nordhäfen) ein, die einen ausgeglichenen, effizienten und nachhaltigen Zugang zu den ­EU-Märkten garantieren», so die Südhäfen. Als Beispiel dient die Schienenverbindung Genua–Rotterdam. Sie ist als Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes wohl der wichtigste Nord–Süd-Korridor im europäischen Schienengüterverkehr.

Darüber hinaus würden Mittelmeerhäfen viel zum Aufbau einer europäischen Nachbarschafts-Politik beitragen, da sie über effiziente Umschlagplätze für Güter und Passagiere nach Nordafrika und Mittelost verfügen. Die Personalkosten seien in Mittelmeerländern häufig niedriger als in Nord- und Westeuropa, Fracht- und Terminal-Abfertigung seien weitgehend privatisiert und Zuverlässigkeit und Produktivität bedeutend verbessert worden.

Entsprechend hätten bereits einige innovative europäische Unternehmen einen Teil ihrer Transportflüsse auf Mittelmeerhäfen umgeleitet. Dieser Trend könnte durch eine Verbesserung der Strassen- und Eisenbahn-Hinterland­anbindungen beschleunigt werden.
Das europäische Transportnetz werde weniger Staus, aber eine höhere Umweltfreundlichkeit aufweisen. Zudem werde weniger Geld zum Fenster hinausgeworfen, ist man im Südeuropa überzeugt.

11,9 Mrd. EUR für Europa-Kernnetz

Siim Kallas, der für Verkehr zuständige Kommissions-Vizepräsident, hat 11,9 Mrd. EUR an Förderungen für bessere europäische Verkehrsverbindungen in Aussicht gestellt. Vorschläge von Projekten dazu müssen von den EU-Staaten, die bereit zur Kofinanzierung sind, bis zum 26. Februar 2015 eingebracht werden. Die Förderung konzentriert sich auf neun Hauptverkehrskorridore, die als Kernnetz das wirtschaftliche Rückgrat des Binnenmarkts bilden sollen. Ziel sei, Engpässe zu beseitigen, Ost–West-Verbindungen grundlegend umzugestalten und den grenzübergreifenden Verkehr für Unternehmen und Bürger in der gesamten EU zu erleichtern.

Insgesamt sollen 94 wichtige europäische Häfen Anschluss an das Eisenbahn- und Strassenverkehrsnetz erhalten, 38 Grossflughäfen im Schienenverkehr an Ballungsgebiete angeschlossen und 15 000 km miteinander verbundene Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecken geschaffen werden. Die fast 12 Mrd. EUR sind die grösste Einzel­summe, die je für die Transport­infrastruktur bereit gestellt worden sind. Die Entscheidung wird im Sommer 2015 veröffentlicht.

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