Zukunft der Logistik (5): Züge ohne Lokführer

U-Bahnen fahren in einigen Städten bereits führerlos. Auch im Schienengüterverkehr gibt es erste Trends. So lässt ein Rohstoffriese in Australien Loks durch Computer steuern – auch aus Mangel an Lokführern.

U-Bahnen ohne Fahrpersonal sind heute beinahe schon Alltag – etwa in Barcelona, Budapest, São Paulo, im chinesischen Guangzhou oder in Paris und demnächst in London. Weitere Projekte – vor allem im arabischen Raum – befinden sich in der Planung oder im Bau. U-Bahnen sind prädestiniert für den fahrerlosen Betrieb: Sie fahren in geschlossenen Systemen und müssen sich die Gleise nicht mit langsameren oder schnelleren Zügen teilen. Durch die automatische Steuerung lässt sich die Kapazität einer U-Bahn-Linie um bis zu 50 Prozent steigern, weil die Züge in engerem Abstand hintereinander fahren können. Zugleich sinkt der Energieverbrauch: Behutsameres Bremsen und Beschleunigen sparen bis zu 15 Prozent Energie. Eingriffe des Menschen sind dennoch stets möglich.

zug
Sydney plant die fahrerlose S-Bahn. Bild: NSW Trains Sydney

Dass man mit unbemannten Zügen nicht zwangsläufig unter der Erde bleiben muss, beweist der Rohstoffkonzern Rio Tinto. Er lässt im australischen Outback Güterzüge mit Eisenerz von computergesteuerten Loks transportieren. Der Hauptgrund ist, dass sich kaum noch Lokführer finden, die über Stunden einen Zug durch den menschenleeren Busch steuern wollen. Die Realisierung der automatischen Güterbahnstrecken in Westaustralien kostet rund 530 Millionen Franken und ist Teil des Zukunftsplans von Rio Tinto, die Minen vollautomatisch zu betreiben. Mit dem Projekt «Auto Haul» entsteht das längste automatisierte Schienennetz weltweit. Auf 1300 Kilometer Gleisen sorgen dort künftig computergesteuerte Güterzüge für flexiblere Logistik- und Transportprozesse und einen geringeren Kohlendioxidausstoss.

Ebenfalls auf dem fünften Kontinent, in Australiens grösster Stadt Sydney, wird bis 2019 eine fahrerlose S-Bahn-Strecke realisiert. Das neue Verkehrssystem ist auf hohe Frequenz ausgerichtet: In den Spitzenzeiten sollen 15 Züge pro Stunde und Richtung fahren und jeder bis zu 1300 Fahrgäste befördern. Theoretisch wäre der Einsatz von fahrerlosen Zügen auch auf den Gleisen in Europa denkbar. Aus technischer Sicht könnten sie in fünf bis zehn Jahren einsatzbereit sein.

Weitere Artikel aus dieser Serie:
– Die Zukunft der Logistik: Kommt das Päckli bald aus der Luft?

– Zukunft der Logistik (2): Lastwagen ohne Lenker

– Zukunft der Logistik (3): Bedenken gegen die «Monstertrucks»

– Zukunft der Logistik (4): Der Kapitän verlässt das Schiff

3 Kommentare zu “Zukunft der Logistik (5): Züge ohne Lokführer

  1. Eine tolle Idee und in der Zukunft sicher hilfreich! Allerdings eher schade um die vielen Arbeitsplätze, die dadurch verloren gingen. Auch kann ich mir vorstellen, dass es bei programmierten Autopiloten zu Fehlern kommen kann, die Menschenleben kosten könnten. Man muss sich vor Einsatz dieser Technologie versichern, dass sie bereit für so viel „Verantwortung“ ist. Mal sehen.. LG Benni

Alle Kommentare anzeigen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.