Güterbahnen in den Nachbarländern (Teil 1): Fret SNCF

SBB Cargo hat 2013 erstmals nach über 40 Jahren schwarze Zahlen geschrieben. Um dieses Ergebnis zu erreichen, waren auch schmerzhafte Einschnitte notwendig. Wie geht es den staatlichen Güterbahnen in den Nachbarländern? Dazu eine kleine Serie.

Foto: SNCF
Foto: SNCF/Sébastien Godefroy

In Frankreich ist Fret SNCF das grösste Schienengüterverkehrsunternehmen. Fret SNCF ist auf allen Güterverkehrskorridoren in Europa aktiv und europaweit hinter der DB Schenker Rail die Nummer drei. Das öffentlich-rechtliche Unternehmen hat rund 8000 Mitarbeitende und gehört zum SNCF Konzern. Wie früher SBB Cargo hat auch Fret SNCF (früher SNCF Marchandises) mit grossen finanziellen Problemen zu kämpfen, das Unternehmen schreibt seit 1999 Defizite.

Laut Sylvie Charles, der Chefin des SNCF-Schienengüterverkehrs, hatte die Französische Bahn mit zwei grossen Herausforderungen zu kämpfen, wie sie in einem Interview der «Deutschen Verkehrszeitung» (DVZ) im letzten Jahr (2014) erklärte. Das eine sei eine weitgehende Deindustrialisierung in Frankreich, die zulasten der Schiene erfolgte. Ausserdem wollten sich immer weniger Kunden auf langfristige Bindungen einzulassen. Sie seien nicht bereit, Aufkommenseinschätzungen für die nächsten 12 bis 18 Monate abzugeben. Dies sei maximal 4 Monate zuvor möglich.

Neben Fret SNCF gehört auch das privatrechtlich organisierte Unternehmen VFLI zum Schienengüterverkehrssparte der SNCF. Ihre gesamten Logistikdienstleistungen bündelt die SNCF unter dem Namen SNCF Geodis – im Jahr 2008 hatte sie den Logistikkonzern Geodis erworben. Der Martkanteil der französischen Staatsbahn ist seit der Liberalisierung im Schienengüterverkehr 2006 auf 63 Prozent zurückgegangen.

Kennzahlen Fret SNCF

Mitarbeiter: 8000
Triebfahrzeuge: 850
Bedienpunkte: 800
Umsatz: 1,1 Mrd. Euro

Grosse Probleme hatte Fret SNCF mit dem Wagenladungsverkehr. Das Netz der Bedienpunkte musste massiv reduziert werden, um Kosten zu sparen. Der Eindruck, das Unternehmen würde sich aus der Fläche zurückziehen, sei aber falsch, sagte Sylvie Charles in dem Interview. Er stamme wohl aus dem Jahr 2008, als der Einzelwagenladungsverkehr um die Hälfte zurückging. «Wir sind ein Eisenbahnunternehmen, das im ganzen Land aktiv ist.» Heute verfügt Fret SNCF noch über 800 Bedienpunkte.

Unter der Marke Captrain bietet SNCF Geodis Transporte in ganz Europa an. Seit dem Juni 2007 gibt es eine gemeinsame grenzüberschreitende Produktion von SBB Cargo und SNCF Fret zwischen Mulhouse und Buchs (SG). Mit der Kooperation werden die grenzüberschreitenden Ost-West-Gütertransporte auf dieser Strecke vereinfacht, um die Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Strasse zu steigern. Güterzüge können seitdem ohne Lok- und Lokführerwechsel durchgehend über die Grenze fahren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.