Mediengespräch: Die Logistiklandschaft in Europa ändert sich

Bei einem Mediengespräch auf der transport logistic 2015 in München standen die Veränderungen durch die Inbetriebnahme des längsten Eisenbahntunnels der Welt im Mittelpunkt. Sie bringen Europa auf der Schiene enger zusammen.

v.l.n.r.: Michail Stahlhut, CEO SBB Cargo International, Peter Jedelhauser, Leiter Projektorganisation Nord-Süd-Achse Gotthard bei der SBB, Nicolas Perrin, CEO SBB Cargo
v.l.n.r.: Michail Stahlhut, CEO SBB Cargo International, Peter Jedelhauser, Leiter Projektorganisation Nord-Süd-Achse Gotthard bei der SBB, Nicolas Perrin, CEO SBB Cargo, Christoph Rytz, Leiter Kommunikation SBB Cargo

«Der neue Gotthardtunnel ist ein Musterbeispiel für die künftige Netznutzung», sagte Nicolas Perrin, CEO von SBB Cargo, gegenüber den Medienvertretern, die trotz strömenden Regen den Weg an den Stand im Freigelände gefunden hatten. Die Kapazitäten im Güter- und Personenverkehr seien von Beginn an gemeinsam und integriert geplant worden. Und es existiere ein abgestimmtes Fahrplankonzept auf Basis der aktuellen Verkehre und des prognostizierten Verkehrswachstums. Die SBB setze auf der Nord-Süd-Achse bereits das Prinzip der zukünftigen Netznutzungspläne um, wie sie im neuen Schweizer Güterverkehrsgesetz vorgesehen sind, das in diesem Jahr im Parlament beraten wird. Für die zahlreichen Kunden der Schweizer Güterbahn im Tessin und in der Romandie biete der Tunnel zahlreiche Vorteile: Längere Güterzüge (bis 750 Meter) im Express- und Wagenladungsverkehr werden bis zu dreimal am Tag die Region bedienen und im Kombinierten Verkehr wegen der verkürzten Fahrzeiten spätere Abfahrten und frühere Ankünfte ermöglichen.

«Für den internationalen Transitverkehr ist der neue Gotthardtunnel ein erster grosser Schritt zur Flachbahn durch die Alpen, der die europäische Logistiklandschaft spürbar verändern wird», betonte Michail Stahlhut, CEO von SBB Cargo International, vor der Presse. Dies werde ab 2020 auf dem wichtigen europäischen Korridor von Rotterdam nach Genua bis zu knapp 30 Prozent Volumensteigerung ermöglichen. Weitere eindrucksvolle Zahlen, die er im Zusammenhang mit der «Eisenbahn-Champions-League» anführte: Die Zahl der Gütertrassen kann von 180 auf 260 pro Tag gesteigert werden, was 44 Prozent mehr Netzkapazität bedeutet. «Voraussetzung ist aber, dass auch in den angrenzenden Ländern Deutschland und Italien die notwendigen Zulaufstrecken weiter ausgebaut werden», mahnte Stahlhut. Ausserdem müsse der 4-Meter-Korridor auf der Nord-Süd-Achse via Gotthard fertiggestellt werden, um Sattelauflieger mit vier Metern Höhe auf Bahnwagen transportieren zu können.

«Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit für die Schiene deutlich», unterstrich auch Peter Jedelhauser, Leiter Projektorganisation Nord-Süd-Achse Gotthard bei der SBB. Ab dem Jahr 2020 könnten bis zu 210.000 Lastwagenfahrten zusätzlich durch die Alpen auf die Schiene verlagert werden, bis zum Jahr 2030 solle diese Zahl sogar auf 240.000 steigen. «Wir liegen mit der Inbetriebnahme dieses einzigartigen Jahrhundertbauwerks im Zeitplan und biegen in den nächsten Wochen in die Zielgerade ein», unterstrich Jedelhauser bei dem Mediengespräch und stellte aus erster Hand die aktuellen Aktivitäten vor. Dazu zählen nächtliche Testfahrten im Tunnel ebenso wie die Schulung der Mitarbeitenden, die Errichtung von zwei neuen Erhaltungs- und Interventionszentren an den beiden Tunneleingängen sowie zahlreiche weitere Projekte. Die verbleibende Zeit ist in vier Phasen eingeteilt: Die Einführung des neuen Zugbeinflussungssystems ETCS Level 2 bis zum August 2015, die Systemintegrationstests im Herbst, den Start des Tunnel-Testbetriebs im Oktober und den Probebetrieb ab Juni 2016.

Ein paar Ausschnitte des Mediengesprächs:

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