Innovation auf der Messe: Der Güterwagen wird digital

Noch nie so viele Leute wie dieses Jahr besuchten die transport logistic 2015 in München, die am Freitag zu Ende ging. Auf dem weltweiten Branchentreffpunkt gab es auch manche technologische Innovation zu bestaunen.

Der digitale Güterwagen

Mit über 55‘000 Besuchern (2013: 52‘000) aus 124 Ländern rund um den Erdball und 2050 (2013: 2013) Ausstellern aus 62 Staaten zog die 15. Internationale Fachmesse für Logistik, Mobilität, IT und Supply Chain Management eine positive Bilanz. Die Top-Ten-Besucherländer waren neben Deutschland – in dieser Reihenfolge – Österreich, Niederlande, Italien, Polen, Tschechische Republik, Schweiz, Frankreich, Belgien, Grossbritannien und Rumänien.

«Es hat sich gezeigt, dass sich die internationale Transport- und Logistikbranche auch von einem Bahnstreik nicht aufhalten lässt, uns in München zu besuchen», sagte Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, am vergangenen Freitag beim Messeabschluss. Hohen Zuspruch habe auch das Rahmenprogramm der transport logistic mit 5000 Teilnehmern in 45 Veranstaltungen gefunden. Vor allem das Thema Digitalisierung, das sich wie ein roter Faden durch alle Foren zog, sei heiss diskutiert worden.

«Es gab trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage eine gute Stimmung auf der Messe», resümierte auch SBB Cargo-CEO Nicolas Perrin. Die transport logistic habe diesmal viel Zukunftsmusik zu bieten gehabt– etwa zum Thema Digitalisierung. Hier stehe man erst am Anfang der Entwicklung. Ein konkretes Beispiel dafür ist ein neues System zur Zustandsüberwachung für den Schienengüterverkehr, das der Technologiekonzern Bosch in München erstmals öffentlich vorstellte und das bei SBB Cargo bereits im Probebetrieb ist.

Die Lösung umfasst Hardware aus der automobilen Grossserie von Bosch, die an den Waggons angebracht wird. Sensoren liefern Daten wie die exakte Position, Erschütterungen und beispielsweise die Temperatur im Laderaum. Diese Daten werden an einen Server übertragen und ausgewertet. «Mit unserem System wird ein Güterzug zum digitalisierten und intelligenten Transportmittel», sagte Bernhard Bihr, Geschäftsführer der Bosch Engineering GmbH, bei der Präsentation. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Feldtest bei SBB Cargo würden den Bosch-Ingenieuren helfen, das System für den Start der Serienproduktion Ende 2015 weiter zu perfektionieren.

«Wir machen Güterwagen zum Teil des Internets, schaffen damit wir mehr Transparenz in den Logistikketten zwischen Schiene, Strasse und Wasserstrasse und helfen so, das erhöhte Transportaufkommen im Güterverkehr effizienter zu bewältigen», zeigte sich Bihr überzeugt. Durch die Übertragung der GPS-Position wisse der Kunde künftig zu jeder Zeit, wo sich seine Güterwagen befinden. Er könne sie exakt orten und die Daten als Nachweis zur Abrechnung lärmabhängiger Trassenpreise nutzen.

Gleichzeitig liefern Temperatursensoren Informationen über die Transportbedingungen, beispielsweise ob die Kühlkette nicht unterbrochen wird. Zudem könnten die vernetzten Güterwagen Erschütterungen beim Rangieren erkennen, die sowohl Waggon als auch Ladung beschädigen können. Bihr: «Werden die digitalen Informationen in IT-Systeme zur Steuerung von Logistikprozessen integriert, können Güterwagen optimal disponiert und ausgelastet werden, Zuginformationen automatisch erstellt und Geschäftsprozesse automatisiert werden». Ebenso zeichnet das System die gefahrenen Kilometer eines Waggons auf, um Wartungen in Zukunft kilometer- und zustandsabhängig vorausschauend zu planen und umzusetzen.

Es wurde als Nachrüstlösung für bestehende Güterwaggon-Fuhrparks entwickelt und arbeitet energieautark mit einer integrierten Batterie, die bis zu sechs Jahre hält. Im Zukunft kann die neue Bosch-Technik jedoch in der Fertigung von Güterwaggons direkt in der Erstausrüstung eingebaut werden. «Ich freue mich schon auf nächste transport logistic im Mai 2017, da sind wir bei diesem Thema sicher schon ein gutes Stück weiter», so Nicolas Perrin.

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