Was der Güterverkehr 2050 alles leisten muss

Automatische Kupplung, Megahubs, Hybridloks: Der Schienengüterverkehr hat einige Hausaufgaben zu erledigen, um laut dem EU-Projekt Spider Plus im Jahr 2050 wettbewerbsfähig und nachhaltig zu sein.

Zu den Innovationen, die die Wissenschaftler vorschlagen, gehören unter anderem automatische Kupplungen an den Wagen. Sie sollen den Umschlag in den Hubs weitgehend automatisieren und die Kosten an diesen neuralgischen Punkten der Transportkette senken. Diesem Zweck dienen auch die in der Roadmap von Spider Plus empfohlenen Hybridloks, die gleichermassen auf elektrifizierten Strecken und nicht elektrifizierten Anschlussgleisen fahren können und Gütertransporte ohne Lokwechsel ermöglichen. SBB Cargo verfügt über 30 Hybridloks des Typs Eem 923.

Um die Emissionen im Transportwesen um mindestens 60 Prozent zu senken, müsse das Ziel sein, den Güterverkehr über mittlere Entfernungen bis 300 km überwiegend auf die Schiene zu verlagern. Laut der EU-Kommission ist dieses Ziel realistisch. Voraussetzung dafür sind aber ein enger Fahrplan beim Infrastrukturausbau, die Einführung neuer Technologien, der Aufbau moderner Managementsysteme und geänderte Geschäftsmodelle. «Industrialisierung der betriebswirtschaftlichen Abläufe», nennt das Lars Deiterding, Projektkoordinator des EU-Forschungsprojekts Spider Plus.

Darin haben 13 Unternehmen und Forschungseinrichtungen einen Stufenplan für ein «umfassendes Schienennetz» in Europa entwickelt. Darüber sollen dann im Jahr 2050 rund 1,5 Billionen Tonnenkilometer Güter transportiert werden, 2010 waren es 390 Milliarden. Diese Vervierfachung innerhalb von 40 Jahren soll über den Ausbau der transeuropäischen Schienenkorridore (TEN-T) bis 2030 zu einem «Kernschienennetz» möglich werden, das dann in den Folgejahren weiter in der Fläche ausgebaut wird.

Um darüber vor allem intermodale Transporte abwickeln zu können, sind nach Auffassung der Wissenschaftler «Megahubs» entlang der Korridore notwendig, worüber diese mit den regionalen Netzen verbunden werden. Neben der notwendigen Infrastruktur müssten neuartige Umschlagslösungen entwickelt werden, die eine flexible Nutzung des Gesamtsystems ermöglichen. Bis 2030 seien auch heute vorhandene «Interoperabilitätskonflikte» im europäischen Schienengüterverkehr zu beseitigen. Dazu zählen beispielsweise die Vereinheitlichung der maximalen Achslast oder die Länge von Güterzügen, damit diese ohne Unterbrechungen auf dem gesamten Streckennetz verkehren können.

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