«Wir sind auf der Zielgeraden»

3 Minuten mit Florian Probst, Projektleiter für das Zugüberwachungssystem ETCS bei SBB Cargo. Im Interview erklärt er die Bedeutung des neuen Zugüberwachungssystems für die Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels im Jahr 2016.

In der Nacht auf Sonntag, 16. August, wird auf der Gotthardzufahrtsstrecke zwischen Brunnen und Erstfeld das Zugüberwachungssystem ETCS Level 2 in Betrieb genommen. Sind Sie nervös?
Wir sind auf Kurs mit unseren Fahrzeugen. Inzwischen erhielten wir vom Bundesamt für Verkehr die Betriebsbewilligungen für unsere Loks. Zwar wurden noch nicht ganz alle Loks auf das neue Zugüberwachungssystem umgerüstet, wir sind aber auf der Zielgeraden und können den Betrieb sicherstellen. Nervös bin ich nicht, weil ja im Vorfeld Tests gemacht wurden. Ich bin eher gespannt und freue mich, dass es los geht.

Was ändert sich für das Lokpersonal?
Mit dem neuen Zugüberwachungssystem gibt es keine Aussensignalisation mehr, das Lokpersonal erhält sämtliche Informationen, also die erlaubte Geschwindigkeit, die Distanz bis zum Ende der Fahrerlaubnis etc. auf dem Display im Führerstand. Ein Grossteil der Cargo-Lokführerinnen und -Lokführer kennt ETCS Level 2 bereits von der Neubaustrecke Mattstetten-Rothrist und dem Lötschbergbasistunnel.

Was ändert sich für die Kunden?
Die Eisenbahn wird insgesamt sicherer. Zudem können die Züge in kürzeren Abständen aufeinander fahren.

Ist die Inbetriebnahme des Zugüberwachungssystem auf der Zufahrtsstrecke eine Hauptprobe für die Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels?
Sicher. Sie ist zudem eine Grundvoraussetzung, damit der Testbetrieb für den Tunnel frühzeitig beginnen kann. Personenzüge sollen ja ab nächstem Jahr mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h, Güterzüge mit 100 bis 120 km/h durch den Tunnel brausen. Dieses Hochtakten der Züge geschieht nicht von heute auf morgen, dafür braucht es umfangreiche Tests.

Gibt es noch weitere Vorteile?
Wenn sich das Zugüberwachungssystem auch in den anderen Ländern durchsetzt, wird die Bahn Landesgrenzen einfacher passieren können. Bisher gelten in jedem Land andere Zugüberwachungssysteme.

 

Das European Train Control System (ETCS) Level 2 stellt die nächste Generation der Zugsicherung dar. Das automatische Zugsicherungssystem ist europäischer Standard und auf allen Hochgeschwindigkeitsstrecken Pflicht. Denn bei einer Geschwindigkeit von über 160 km/h kann das Lokpersonal die Signale auf einer Strecke nicht mehr erkennen und muss deshalb im Zug selbst über diese Informationen verfügen. Bei ETCS Level 2 gibt es keine Aussensignale mehr, das Lokpersonal erhält Geschwindigkeitsangaben und Fahrerlaubnis direkt über Funk (GSM-R data) in den Führerstand.

Ein Kommentar zu “«Wir sind auf der Zielgeraden»

  1. ETCS ist in der Theorie ein europäischer Standard. Praktisch können die Fahrzeuge jedoch nicht überall verkehren, weil in der Regel nur ein Teil der möglichen Funktionalität des Systems in den Fahrzeugen eingebaut und geprüft ist, nämlich die Funktionalität, die von der Strecke, wo die Fahrzeuge normalerweise fahren sollen, tatsächlich verlangt wird. Ich wünsche euch eine Gute Betriebsaufnahme. Peter

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