Pioniere am Gotthard (3): Eduard Gruner

In unserer kleinen Blogserie zur Geschichte des Tunnelbaus am Gotthard porträtieren wir heute Eduard Gruner: Er war der erste, der die visionäre Idee hatte, am Gotthard einen Basistunnel zu bauen.

Bereits in den 1930er Jahren hatte der Basler Ingenieur Eduard Gruner die Idee für eine Verkehrsverbindung mitten durch das Gotthard-Massiv: Sowohl ein Basistunnel für Schiene und Strasse wie auch eine Kombination der beiden war für den 1905 in Basel geborenen Verkehrsplaner vorstellbar. Ebenso eine zweistöckige Variante. 1947 erläuterte er in einem technischen Aufsatz für die Monatsschrift «Prisma. Natur, Forschung, Technik» unter dem Titel «Reise durch den Gotthard-Basistunnel im Jahr 2000» die visionäre Idee eines rund 50 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels von Amsteg nach Biasca.

«Wir Schweizer können doch nicht allen Ernstes glauben, dass wir mit dem Bau des Gotthardtunnels vor siebzig Jahren und mit der Elektrifikation nach dem ersten Weltkrieg ein für allemal Grossartiges genug für den schweizerischen Verkehr getan haben?», schrieb das Blatt im Vorwort seiner vierten Ausgabe mit dem Thema «Die Schweizer Bahnen im Jahr 2000». Im Heft wurden verschiedene Visionen vorgestellt, wie die Menschen 53 Jahre später Bahn fahren werden.

Prisma-Titelblatt

Auf Gruner geht auch der Vorschlag zurück, mitten im Gotthardbasis-Tunnel bei Sedrun im Graubünden einen unterirdischen Bahnhofs zu errichten. Er schrieb damals in seiner Projektidee: «Sanft fällt der Zug in die Bremsen und hält in der von Menschen wimmelnden Halle der Tunnelstation Sedrun. Von hier kann das mondäne Sportzentrum in sieben Minuten in einem bequemen Lift durch den 830 Meter hohen Schacht erreicht werden. Dadurch rücken die Skifelder am Vorderrhein in Stundennähe von Basel, Zürich und Mailand (…)».Das Projekt wurde zwar später unter dem Namen «Porta Alpina» aufgenommen, aber bisher nicht realisiert.

Auch den Bau des Gotthard-Basistunnels, der nächstes Jahr eröffnet wird, erlebte Gruner nicht mehr: er verstarb 1984. Sein Unternehmen – die Gruner Gruppe mit Sitz in Basel – gilt heute als wichtiger Baudienstleister in der Schweiz und weltweit. Das Unternehmen hat rund 1000 Mitarbeitende an über 30 Standorten im In- und Ausland.

Teil 1: Alfred Escher

Teil 2: Louis Favre

Fotos: Keystone (oben), SBB Historic (unten)

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