Der Gotthard liegt in Köln und Tschechien

Ausgefeilte Technik macht es möglich: Der Bau des ersten Gotthard-Tunnels (1872–1882) wird verfilmt. Und damit die Geschichte Ende Jahr so realistisch wie möglich über den Bildschirm flimmert, wird es auch immer wieder Katastrophen zu sehen geben – zum Glück nur nachgestellt.

Die grösste Baustelle Europas – das war im 19. Jahrhundert der Gotthard-Tunnel. Der Kampf gegen die Natur und brutale Arbeitsverhältnisse forderten viele Opfer. Denn es gab immer wieder Unfälle und Katastrophen, die die Arbeiten behinderten oder lahm zu legen drohten.

Um das so naturalistisch wie möglich filmen zu können, haben rund 40 Setdesigner in Deutschland innerhalb von acht Wochen den Tunnel aus Draht und Jute nachgebaut und mit Pappmaché überzogen. Da das SRF in Kooperation mit dem deutschen ZDF und dem österreichischen ORF an dieser Produktion arbeitet, finden die Dreharbeiten auch in den MMC-Studios in Köln statt. Aber selbst dort konnte der Filmtunnel nicht aufgebaut werden, denn mit rund hundert Metern ist er dafür zu lang.

Die Location-Scouts der Produktionsfirma fanden dafür eine geeignete, rund 2000 Quadratmeter grosse Halle. In dem ehemaligen Logistik-Zentrum in Köln-Pulheim wurden früher Lastwagen mit Möbeln beladen. Der Tunneleingang selbst, der im Film eine wichtige Rolle spielt, liegt aber nicht in Köln, sondern in Tschechien. Dort entstand auf einem Areal – so gross wie zehn Fussballfelder – in einem stillgelegten Steinbruch in der Nähe von Prag ein Nachbau des Tunnelportals aus echtem Beton, zwölf Meter hoch und 16 Meter breit.

«Das entspricht zwar nicht der Originalgrösse, hätte aber sonst nicht ins Kamerabild gepasst», erklärt Szenenbildner Knut Loewe. Das gilt auch für den vielleicht drei Meter breiten Tunnel-Nachbau am Kölner Stadtrand. Er gliedert sich in zwei Teile: Einen längeren Gang und die sogenannte Tunnelbrust, also das Ende, an dem der Bohrer sich durch den Fels pflügt. Das mit Pressluft betriebene Gerät sei voll funktionsfähig, betont Loewe.

Für den Kampf mit der Natur im Film ist ein ganzes Team von Spezialisten zuständig, etwa um eine Überflutung darzustellen. Dabei werden Pumpen, Wassertanks mit bis zu 2000 Liter Volumen, Kompressoren und Greenscreens (zur Abdeckung des Hintergrunds) verwendet. «In diesem Tunnel drehen wir auch Explosionen und Wassereinstürze. Unter dem Bau befinden sich grosse Auffangbecken für das Wasser, damit man die Szenen bei Bedarf mehrmals drehen kann», erläutert Loewe.

Von innen wirkt die Konstruktion mit den Holzpfeilern fragil, ist aber, versichert der Szenenbildner, «eine Hightech-Maschine». Auf Knopfdruck schiesst Wasser von oben in den Kunststollen, sammelt sich in versteckten Becken und wird für die nächste Szene wieder hochgepumpt. Oder Steine poltern auf die Arbeiter – natürlich nachgebaut, aber im Bild nicht zu unterscheiden.

Und auch ein echtes Pferd ist in der falschen Röhre unterwegs, denn die Tiere zogen früher die Loren im Inneren des Berges. Vor dem Tunnel wartet auch ein toter Vierbeiner auf seinen Einsatz – der jedoch stammt aus der Requisite und ist künstlich. Der Zweiteiler wird Ende des Jahres 2016 im TV ausgestrahlt.

Foto: ZDF/Guido Engels

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