Tests mit langen Güterzügen in Deutschland und in der Schweiz

In Deutschland sollen probeweise Güterzüge mit bis zu 1500 Metern Länge fahren. Kürzlich hat unabhängig davon in der Schweiz die AlpTransit einen Güterzug solcher Länge im Gotthard-Basistunnel getestet.

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76 Wagen am Haken: Ein Testzug von 1500 Meter Länge vor dem Gotthard-Basistunnel. Foto AlpTransit Gotthard AG

In den letzten Monaten hat das deutsche Verkehrsministerium zusammen mit der Branche einen «Aktionsplan Güterverkehr und Logistik» erarbeitet. Ziel ist es unter anderem, die Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene zu fördern. Dazu sind Tests von Güterzügen mit bis zu 1500 Metern Länge im Echtbetrieb vorgesehen – etwa auf der Rheintrasse nach Basel. Dies macht auch eine Verlängerungen der Überholstrecken notwendig.

Erleben wir demnächst im nördlichen Nachbarland Verhältnisse wie in den USA, Australien, Russland oder China? Dort sind Güterzüge von mehreren Kilometern Länge und Gewichten von über 10 000 Tonnen längst Alltag. In den meisten europäischen Ländern liegt dagegen derzeit die Längenbegrenzung bei 700 bis 750 Metern. Ausnahmen sind Dänemark und Frankreich.

Auch im Gotthardbasistunnel hat die AlpTransit letzte Woche einen 1500 Meter langen Güterzug getestet. Der Zug bestand aus 76 Wagen ohne Ladung und war 2200 Tonnen schwer. Gefahren wurde er mit drei Lokomotiven des Typs Re 620, je eine an der Spitze, in der Mitte und am Ende des Zugs. Getestet wurde, ob so lange Güterzüge mit dem neuen Zugsicherungssystem ETCS 2 problemlos durch den 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel geführt werden können.

Überlange Güterzüge aus Dänemark (bis 835 Meter lang) mussten in der Vergangenheit an der Grenze zu Deutschland geteilt werden, weil die Infrastruktur – etwa Brücken, Ausweichgleise oder Weichen – nicht entsprechend ausgebaut war. Inzwischen wurde die 210 Kilometer Strecke bis zum nächsten großen Knotenpunkt, dem Rangierbahnhof Maschen bei Hamburg, mit viel Aufwand ertüchtigt. Doch bis dies auch im Rheintal der Fall sein wird, dürfte wohl noch einige Jahre dauern. Bei einem Schienengüterverkehrs-Forum am 27. Januar in Bonn blieb Hugo Gratza, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, deshalb auch die Antwort auf die Frage nach einem genauen Zeitplan schuldig.

Laut dem deutschen Aktionsplan sollen die Verkehrsträger mit Hilfe der Digitalisierung besser vernetzt und verzahnt werden, um die Möglichkeiten für den kombinierten Verkehr zu verbessern. «Die Massnahmen werden fortlaufend umgesetzt», versprach die-Staatssekretärin und Koordinatorin der deutschen Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik, Dorothee Bär. Es solle in regelmässigen Abständen fortgeschrieben werden und jeweils die erreichten Fortschritte abbilden.

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, in dem auch SBB Cargo International Mitglied ist, hofft bei der weiteren Fortschreibung des Aktionsplans auf die Berücksichtigung von mehr Massnahmen zugunsten der Schiene. Stärkeres Gewicht sei auch auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte zu legen. Bei der Förderung von innovativen Antriebstechniken fehlten etwa die umweltfreundlichen Hybridlokomotiven.

Mitarbeit: Stefan Boss

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