Mit Schweizer Bahn-Know-how über die Anden

In Südamerika wird eine Bahnstrecke quer durch den Kontinent vom Atlantik zum Pazifik geplant. Chinesische Firmen treiben das Projekt voran, doch jetzt wollen auch Unternehmen aus der Schweiz und Deutschland zum Zug kommen.

Foto: Radio Uchile
Foto: Radio Uchile

Zunächst war das Jahrhundertprojekt einer «Transozeanische Eisenbahn» durch Lateinamerika vom Atlantik bis zum Pazifik vor allem ein Projekt von chinesischen Unternehmen. Kürzlich haben Siemens und Molinari Rail aus Winterthur führenden Politikern Boliviens – darunter Staatspräsident Evo Morales – eine Alternative zu der weiter nördlich gedachten Bahnlinie von Brasilien direkt nach Peru vorgestellt. Boliviens Regierung versucht die Nachbarländer und auch China nämlich für eine südliche Variante zu gewinnen, die über das eigene Territorium führt.

Mehrere Firmen aus Deutschland und der Schweiz wollen gemeinsam ein Paket anbieten –aus Bau der Infrastruktur, Lieferung von Loks und Waggons sowie Wartung der Züge. Auch eine Hochschule und Produktionsstätten für Bahntechnik könnten in Bolivien angesiedelt werden.

Der «Corredor Ferroviario Bioceanico Central» soll auf einer Strecke über Peru, Bolivien und Brasilien die beiden Ozeane verbinden und ist eines der acht Integrationsprojekte, die von der Union Südamerikanischer Nationen in der gesamten Region unterstützt werden. Der bolivianische Staatschef und sein technisches Team – so das Ergebnis des Treffens – wollen nun die Vorschläge analysieren, um dann zu entscheiden, ob das Projekt zusammen mit den ausländischen Unternehmen angegangen wird.

Die geplante Linie durch Bolivien (Grafik Zeitung «La Razón»)

Bei dem Treffen dabei war Michele Molinari, CEO des Schweizer Unternehmens Molinari Rail aus Winterthur. Der Eisenbahnexperte kennt Südamerika, seit er vor 20 Jahren als Ingenieur für einige Jahre in Kolumbien arbeitete. Molinari hält das Zehn-Milliarden-Dollar-Projekt für durchaus realistisch und hat bereits mit der konkreten Planung begonnen: Die bi-ozeanischen Güterzüge sollen in der brasilianischen Hafenstadt Santos am Atlantik starten. Von dort aus geht es über das bolivianische Santa Cruz de la Sierra fast 4000 Höhenmeter zum Altiplano hinauf und schliesslich durch Peru zum Pazifikhafen Ilo hinunter.

Dabei können die Planer an vorhandene Teilstrecken anknüpfen: In Bolivien existieren in zwei geteilten Schienennetzen derzeit rund 3700 Kilometer. Für eine den Kontinent durchkreuzende Strecke müssten in dem Land weitere 1800 Kilometer Schienen verlegt werden. «Fünf Jahren würde dies dauern», schätzt Michele Molinari. Für die wirtschaftliche Entwicklung Boliviens, das keinen direkten Meereszugang hat, ist die neue Linie von zentraler Bedeutung. Ausserdem soll dadurch der stetig wachsende Güterverkehr von der überfüllten Strasse auf die Schiene verlagert werden.

Gegenüber den chinesischen Konkurrenten sieht Molinari gute Chancen für einen Zuschlag an die europäischen Firmen: «Deutschland und die Schweiz geniessen in Bolivien einen hervorragenden Ruf, was den Eisenbahnbau betrifft.» Vor allem die Erfahrungen der Schweiz beim Bau von Schienenstrecken im Hochgebirge seien gefragt.

Ein Kommentar zu “Mit Schweizer Bahn-Know-how über die Anden

  1. Sehr geehrter Herr Müller,

    danke für den Bericht über das Projekt Bioceanico. Es freut mich, dass über das Engagement der Schweizer Eisenbahnindustrie in Südamerika berichtet wird. Wir alle hoffen, dass wir in diesem Projekt an einem oder mehreren Losen mitarbeiten können.

    Leider wurde ein Bild gewählt, das nicht mit dem Projekt in Zusammenhang steht und ev. einen falschen Eindruck erwecken kann. Gerne stellen wir Ihnen Bilder zur Verfügung.

    Ausserdem stehe ich gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.

    Freundliche Grüsse
    Michele Molinari

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