Erfrischend: grüner Transport für Coca-Cola

Nicht mehr der Lastwagen, sondern die Bahn bringt jetzt die Dosen von Coca-Cola von Italien in die Schweiz. Wie gelang es, den neuen prominenten Kunden von SBB Cargo zu überzeugen?

Andreas Ellenberger

«Ktsch, ktsch, ktsch», quietschen die Gummiräder der Gabelstapler auf dem nackten Betonboden. Mit ihnen heben Mitarbeiter des Verteilcenters der Camion Transport AG die Paletten mit Süssgetränken von Coca-Cola aus den Güterwagen und stellen sie auf die Rampe. Fahrzeuge mit langen Gabeln, sogenannte Ameisen, bringen sie dann in hohem Tempo ins Lager.

Es herrscht grosse Betriebsamkeit, als wir an einem Februarmorgen in dem Verteilcenter im zürcherischen Rümlang eintreffen. Andreas Ellenberger (Bild oben), Key Account Manager bei SBB Cargo, schaut dem Treiben zufrieden zu: Mit Coca-Cola HBC Schweiz konnte er einen prominenten neuen Kunden gewinnen. Bis vor einigen Wochen kamen die Coca-Cola Dosen und Nestea-PET-Flaschen noch mit dem Lastwagen von Italien in die Schweiz. Seit Februar fährt nun einmal pro Woche ein Ganzzug von Verona nach Rümlang. Von dort aus werden die zwischengelagerten Produkte in die ganze Schweiz geliefert.

«Der Transport ist von der Menge und der grossen Distanz her prädestiniert für die Bahn», sagt der Solothurner, der selbst den Lkw-Führerschein besitzt und erst vor knapp zwei Jahren zu SBB Cargo gestossen ist.

Doch wie gelang es, den grössten Anbieter von nicht alkoholischen Getränken in der Schweiz von SBB Cargo zu überzeugen? Geholfen hat sicher, dass sich Ellenberger gründlich mit dem Kunden befasst hat: Er war von 2011 bis 2014 nämlich nationaler Transportleiter bei Coca-Cola HBC Schweiz und kennt somit die dortigen Ansprechpartner und Abläufe. Hinzu kam, dass der Getränkehersteller gerade dabei war, sein Transportkonzept zu überdenken.

Auslad Coca-Cola-Dosen
Fotos: Alessandro della Bella

Durch die Umstellung auf die Bahn können pro Jahr 1200 Tonnen CO2 eingespart werden. Das wichtigste Argument sei aber der Preis, meint Ellenberger. Er hat zusammen mit den Kollegen des Vertriebs und der Produktion ein gegenüber der Strasse konkurrenzfähiges Angebot erstellt, das auch den Bedürfnissen des Kunden entspricht. Die 22 Güterwagen des Ganzzugs aus Italien sind bis zur maximal zulässigen Nutzlast von 627 Tonnen gefüllt. Die etwas schwereren Dosenpaletten wurden in Verona in jedem Waggon mit den deutlich leichteren Nestea-Paletten gemischt.

Wenn die Temperaturen steigen und somit auch der Durst der Schweizerinnen und Schweizer grösser wird, fährt der Zug mit 31 Güterwagen. Die Anhängelast von 22 oder 31 Güterwagen entspricht dabei dem Traktionskonzept von SBB Cargo mit den maximal erlaubten Anhängelasten. Für den Transport kann künftig der Gotthard-Basistunnel genutzt werden.

Das Ausladen ist nicht so einfach, wie es aussieht: «Wir müssen aufpassen, dass keine Dosen platzen», ruft Jasmin Kaplanoski, Schichtführer bei der Camion Transport, von seinem Gabelstapler herunter. Eine Stunde später ist die Ware eingelagert. Die Getränke bleiben im Durchschnitt nur zwölf Tage in Rümlang, bis sie zu den Kunden weiterspediert werden: vorwiegend per Lastwagen, ein Teil aber auch per Bahn. Auf dem Nachhauseweg sehen wir auf dem Bahnhof von Rümlang die andern Wagen des Ganzzugs, die am Vorabend bereits ausgeladen wurden. Das Team der regionalen Cargo-Produktion hat sie schon bereitgestellt. Noch am selben Tag werden sie wieder zurück nach Italien fahren.

Coca-Cola HBC Schweiz ist der führende Hersteller alkoholfreier Getränke in der Schweiz. Zusammen mit 50000 Gastronomie- und Handelspartnern erfrischt das Unternehmen die Schweiz jährlich mit rund 500 Millionen Litern Getränken, das macht pro Kopf und Jahr rund 60 Liter. Der Getränkehersteller vertreibt in der Schweiz 13 Marken, darunter Coca-Cola, Fanta, Sprite, Nestea, Valser, Powerade und Monster.

Die Camion Transport AG ist ein Transport- und Logistikunternehmen in der Schweiz mit 15 Niederlassungen. Kerngeschäft ist der Stückguttransport, der vorwiegend per Lastwagen erfolgt. 1996 hat die Firma, zusammen mit Planzer und Galliker, das Unternehmen Cargo Domizil Schweiz übernommen, das ursprünglich aus der SBB hervorging. Wo sinnvoll, werden bei grossen Distanzen die Waren auf die Bahn umgeladen, so auch bei der Feinverteilung der Coca-Cola Getränke. Das Verteilcenter in Rümlang wurde 2014 eröffnet.

3 Kommentare zu “Erfrischend: grüner Transport für Coca-Cola

  1. Ganz tolle Sache von allen Beteiligten! Man sollte mehr solche Waren auf die Bahn verlagern. Arbeite bei Camion Transport in Schwarzenbach, wo wir täglich um 40 Bahnwagen versenden am Abend, und etwa die gleiche Anzahl am Morgen früh erhalten.

  2. Es sollte mehr per Bahn transportiert werden. Denke dabei auch an Baustoffe. Die langen (km) Transporte von a nach b und ab dort Feinverteilung per Lkw. Aber die Bahn wird halt immer anfälliger auf Stöhrungen, was die Einschränkung gewisser Güter zur Folge hat. Es könnte etwas für die Umwelt getan werden, real nicht theoretisch.Güter können in der Nacht transportiert werden wenn geeignetes Rollmaterial zur Verfügung steht.

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