Für Marcelino Mantilla war der Gotthard nie ein Hindernis

Der Leiter des regionalen Produktionsteams von SBB Cargo am Zoll in Chiasso empfindet den Gotthard als magisch. Er hat ihn schon als Kind oft durchfahren, um Fussball zu spielen.

Marcelino Mantilla (51) ist an Teamarbeit gewöhnt: Bevor er Leiter der Zollstelle Chiasso und Delegierter von SBB Cargo für das Tessin wurde, war er Fussballer – ein Mittelfeldspieler, der in den Achtzigerjahren auf verschiedenen Stufen für Chiasso und Mendrisio spielte. Dass er dort eng mit seinen Mitspielern zusammenarbeiten und sich an gemeinsame Taktiken und Strategien halten musste, kam ihm beim Übergang ins Arbeitsleben zugute.

Heute, als Delegierter von SBB Cargo für das Tessin, kümmert er sich um alles, was den Güteraustausch auf der Nord-Süd-Achse verbessert, erleichtert und beschleunigt. Dies besonders im Hinblick auf die bevorstehende Eröffnung des Gotthard-Basistunnels und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Güterverkehr. «Wir investieren viel in neue Technologien», erzählt er, «mit denen wir die Prozesse im Schienenverkehr besser und schlanker abwickeln können. Zurzeit laufen mehrere Projekte, bei denen es um das automatische Kuppeln der Wagen und die Modernisierung der Rangiertätigkeiten geht.

Ein Thema, das bei SBB Cargo immer auf der Tagesordnung steht, ist die Sicherheit: «Zurzeit prüfen wir, ob wir die Wagen mit GPS und Alarmsystemen mit Sensoren ausrüsten können, die in der Zentrale eine Meldung auslösen, wenn während der Fahrt eine gefährliche Situation oder Unregelmässigkeit auftritt.» Wie gross ist die Güterverkehrsflotte? «Es gibt rund 7000 Güterwagen, die meisten haben geräuscharme Bremssohlen oder gehören der neuen Wagengeneration mit reduzierten Lärmemissionen an. Der Schienengüterverkehr rüstet sich für den neuen Gotthard-Basistunnel und will dessen Vorteile vollumfänglich nutzen.»

Marcelino Mantillas Gedanken drehen sich ständig um den Gotthard, hauptsächlich bei der Arbeit, aber nicht nur. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm der Streckenunterbruch 2012 nach einem Felssturz zwischen Erstfeld und Göschenen im Kanton Uri, als die Güterzüge von der Schweiz nach Italien und umgekehrt über Domodossola umgeleitet werden mussten: Der Unterbruch dauerte zwar nur einen Monat, aber das Tessin war von der übrigen Schweiz abgeschnitten.

Was wird sich mit dem Gotthard-Basistunnel ändern? «Die Völker nähern sich an. Alles wird schneller, aber auch weniger wahrnehmbar, weil die Reise vorwiegend im Tunnel verläuft. Für die Tessiner wird das Pendeln auf die Alpennordseite einfacher –und wer weiss, vielleicht wird es auch Pendler in der Gegenrichtung geben.»

Und der Berg? Mantilla durchquert regelmässig den Gotthard und nutzt die Reise zum Arbeiten. Oft schaut er aber auch auf und betrachtet die Aussicht mit den verschiedenen Bauten und der besonderen Landschaft. Wenn er an den Gotthard denkt, kommen viele Erinnerungen hoch: das Camping im Sommer als Kind in der oberen Leventina, die Wanderungen in den Alpen, die Fahrten an Fussballmatches.

«Ich kenne den Gotthard von meiner Fussballerzeit her. Ich habe praktisch in allen Ligen des Schweizer Fussballs gespielt und oft hatten wir Auswärtsmatches auf der Alpennordseite. Wir reisten fast immer mit dem Car, aber auch mit dem Zug. Ich erinnere mich an meine erste Fahrt zu einem Auswärtsspiel und an die ausgelassene Stimmung unterwegs. Aber den Gotthard», sinniert er, «habe ich von Anfang an nie als Hindernis auf dem Weg in die Städte und Fussballstadien empfunden, sondern er war und ist für mich magisch, weil er in der Vorstellung einen unbekannten Ort aufleben lässt, manchmal sichtbar und manchmal nicht, den man am Horizont wahrnehmen kann.»

 

Das Buch zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels

Kein Zweifel, die Schweiz schreibt einmal mehr Geschichte am Gotthard. Ein Buch zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels erzählt die Geschichten von 57 Menschen mit Bezug zum Jahrhundertbauwerk. Das hier veröffentlichte Porträt stammt aus diesem Buch.

Die offizielle Eröffnung des Tunnels am 1. Juni ist ein historischer Tag für Europa, und die Schweiz begeht dieses Ereignis mit einem grossen Festakt. Einzigartig wird auch das Buch zur Eröffnung – ein Ausnahmebuch, das Geschichte(n) schreibt.

Es heisst «57 Menschen – 57 Geschichten. Jahrhundertbauwerk Gotthard-Basistunnel» und ist ab Anfang Juni 2016 im SBB Online Shop, an ausgewählten Verkaufsstellen der SBB und im Handel erhältlich. Weiterhin wird es einen Sonderverkauf am Publikumsanlass vom 4. und 5. Juni 2016 geben.

Die 57 Porträts wurden vom renommierten Schweizer Fotografen Markus Bühler-Rasom fotografiert und von einem hochkarätigen Autorenteam geschrieben.

Ab Anfang Juni 2016 verfügbar. Verkaufspreis: CHF 48.–

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.