Markus Schütz mag grosse Tunnel und grosse Tiere

Der Verlademeister der Zirkus Knie organisiert den Transport des umfangreichen Zirkusmaterials an 41 Gastspielorte in der Schweiz, grossteils mit SBB Cargo. Ob er mit dem Zirkuszug auch durch den Gotthard-Basistunnel fahren kann, weiss er noch nicht.

Markus Schütz lacht. Nein, an eine Reise ins Tessin war in seiner Kindheit nicht einmal zu denken! Er ist in einem Bauernbetrieb im Bernbiet aufgewachsen, in einer Zeit, da man ständig an die Arbeit auf dem Hof gebunden war.

Dafür ist er jetzt, als Verlademeister des National-Circus Knie, fast das ganze Jahr auf Achse. Von Mitte März bis Ende November organisiert er den Transport des umfangreichen Materials des Zirkus an 41 Gastspielorte. 2433 Kilometer werden mit SBB Cargo zurückgelegt, der Rest auf der Strasse. Knie ist einer der ältesten und treuesten Bahnkunden; seit 95 Jahren fährt er mit der SBB. Zwei Spezialzüge mit insgesamt 51 Wagen stehen dem Zirkus zur Verfügung. «Man hat in der Mitte von konventionellen Flachwagen eine Verlängerung eingeschweisst», berichtet Verlademeister Schütz stolz, «so können wir jeweils zwei Zirkuswagen auf einen Eisenbahnwagen laden. Und damit man weiss, dass dieser Zug nur für uns fährt, haben wir Knie- Kleber angebracht.»

Die logistische Aufgabe ist alles andere als einfach. Der Zug wird schon während der letzten Vorstellung am Abfahrtsort mit dem Material der erfolgten Auftritte beladen. Dabei muss Markus Schütz darauf achten, dass am Ziel das Material für den Aufbau des Zelts und der Stallungen zuerst abgeladen werden kann. «Ich muss auch immer daran denken, über welche Art von Rampe der Zielbahnhof verfügt, denn die Zirkuswagen können nicht rückwärts manövriert werden. Kommt hinzu, dass im Zeitalter der Rationalisierung einige Bahnhöfe keine Rampen mehr haben. Jetzt verfügen wir über eine mobile Rampe, die in zwei Stunden zusammengesetzt werden kann. Das funktioniert prima!», stellt Schütz fest. Diese Rampe wurde von der SBB und einer Spezialfirma eigens für den Bedarf des Zirkus entwickelt.

Normalerweise fangen die Zirkusarbeiter am neuen Ort morgens um sechs mit dem Aufbau des Zelts an. Verlademeister Schütz hat das dank der guten Zusammenarbeit mit dem Bahn und Zirkuspersonal meist pünktlich geschafft und trotz unvermeidlichen Verspätungen ist noch nie eine Vorstellung ausgefallen! Sogar als 2015 ein Bergrutsch die Gotthardstrecke unterbrochen hatte, konnte der Spezialzug noch rechtzeitig durchgelassen werden.

Zu einer Nervenprobe für Markus Schütz wurde es, als während eines Manövers einige Wagen entgleisten. In kürzester Zeit wurden ein Kran herangeschafft und die Wagen rechtzeitig wieder aufs Gleise gestellt. «Wirklich zu spät kam nur der Clown Spidi, der mit ein paar Kollegen nach der Vorstellung in einer Wirtschaft ‹verhockte›. Unser Zug mit den Wohnwagen war abgefahren; sie nahmen einen Personenzug und glaubten, sie brauchten kein Billett.»

Bis 2008 war der Verlademeister auch zuständig für den Bahntransport der Tiere. Seit 2008 werden diese in speziell ausgerüsteten Sattelschleppern auf der Strasse verschoben, unter anderem weil sich dabei die Fahrzeit verkürzt. Am liebsten waren Markus Schütz die Elefanten. «Was mich fasziniert, ist die Sensibilität und Intelligenz dieser riesigen Tiere», sagt der Bauernsohn.

Bereitet sich der Verlademeister auf den Bahntransport durch den Gotthard-Basistunnel vor? «Wir führen Gespräche darüber mit der SBB», erklärt er. «Mit dem Zirkuszug durch den Basistunnel fahren? Das weiss ich noch nicht. Aus Sicherheitsgründen dürfen unsere Zirkuszüge nicht schneller als 80 Stundenkilometer fahren. Da könnten wir ein Verkehrshindernis sein. Aber persönlich will ich die schnelle Fahrt auf jeden Fall erleben!»

Teil 1: Marcelino Mantilla

Teil 2: Bernd Vienna

 

Zwei Bücher zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels

Kein Zweifel, die Schweiz schreibt einmal mehr Geschichte am Gotthard. Ein Buch zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels erzählt die Geschichten von 57 Menschen mit Bezug zum Jahrhundertbauwerk. Das hier veröffentlichte Porträt stammt aus diesem Buch.

Es heisst «57 Menschen – 57 Geschichten. Jahrhundertbauwerk Gotthard-Basistunnel» und ist ab Anfang Juni 2016 im SBB Online Shop, an ausgewählten Verkaufsstellen der SBB und im Handel erhältlich. Weiterhin wird es einen Sonderverkauf am Publikumsanlass vom 4. und 5. Juni 2016 geben.

Die 57 Porträts wurden vom renommierten Schweizer Fotografen Markus Bühler-Rasom fotografiert und von einem hochkarätigen Autorenteam geschrieben (Preis ca. 48 Franken).

Für die ganze Familie geeignet ist das Bilderbuch «Durch den Gotthard – Bau und Betrieb des Gotthard-Basistunnel» von Konrad Beck, erschienen im Atlantis-Verlag. Auf unterhaltsame Weise vermittelt es eine Fülle von Informationen rund um das Jahrhundertbauwerk.

Bunte Wimmelbilder prägen das Buch, das für Kinder ab 7 Jahren empfohlen wird. Illustratorischer Höhepunkt ist ein vier Seiten breites, ausklappbares Panoramabild. Dazu kommen Sach- und Hintergrundinformationen (Preis ca. 25 Franken).

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