Neue digitale Geschäftsmodelle verändern die Logistikbranche

Die Digitalisierung beschäftigt auch die Logistik sehr stark. In seiner Studie «2016 logistics study on digital business models» untersucht das Beratungsunternehmen Roland Berger, welche digitalen Geschäftsmodelle in Zukunft in der Branche möglich sind und welche Massnahmen die Unternehmen vor diesem Hintergrund heute ergreifen sollten.

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Von den befragten 300 Logistikunternehmen und -dienstleistern in 19 Ländern war sich die überwiegende Mehrzahl (95%) einig: Die Digitalisierung wird die Logistikbranche teilweise oder sogar vollständig verändern. «Einige digitale Geschäftsmodelle in der Logistik existieren bereits, und weitere werden folgen», heisst es in der Studie. Nach Ansicht der Roland Berger-Experten wird es künftig voraussichtlich vier Gruppen von Marktteilnehmern geben:

  • Buchungs- und Optimierungsplattformen werden das traditionelle Geschäftsmodell von Transportunternehmen stark verändern. Mit Online-Plattformen können einfache Transporte künftig viel effizienter und kostengünstiger abgewickelt werden. Durch die direkte Vernetzung der Kunden mit Logistikdienstleistern lassen sich die Abwicklung und die Transportkapazitäten optimieren und die Frachtkosten sinken. Um gemeinsam als neutraler Plattformanbieter agieren zu können, sollten Logistikunternehmen daher Kooperationsmodelle prüfen.
  • Frachtführer (dazu gehören auch die Güterbahnen) und Terminalbetreiber werden weiterhin entscheidender Teil der Wertschöpfungskette sein. Sie müssen künftig aber Grössenvorteile und neueste Technologien nutzen, um Auslastung und Kosten zu optimieren. Sie sollten zudem spezielle Frachtpakete schnüren, um nicht nur von den Aufträgen der Buchungsplattformen abhängig zu sein. So können vor allem Firmen mit einfachen Logistikketten, z.B. im Shuttle-Verkehr, die Buchungsgebühren der Plattformen einsparen.
  • Supply Chain-Spezialisten werden auch weiterhin komplexe Lieferprozesse, die ein industriespezifisches Know-how erfordern, abwickeln. Um die immer komplexeren Lieferketten effizienter und transparenter zu gestalten, müssen auch solche spezialisierten Nischenanbieter ihre Prozesse stärker automatisieren.
  • Service Provider stellen Softwareprodukte und Lösungen für die Sammlung und systematische Auswertung grosser Datenmengen sowie weitere digitale Dienstleistungen zur Verfügung. Das Angebot reicht von Online-Bezahlsystemen über GPS-Trackingsysteme bis hin zu automatisierter Zollabwicklung. Als Kernstück der digitalen Logistik machen sie mit ihren innovativen Produkten die elektronische Abwicklung von Geschäften in der Logistik überhaupt erst möglich.

Noch – so die Studie – sei unklar, wer die verschiedenen Rollen künftig einnehmen wird. Die Entscheidung, künftig als Frachtführer, Terminalbetreiber oder Supply Chain-Spezialist zu fungieren, hänge vor allem vom heutigen Geschäftsmodell und der Marktpositionierung ab. Um die Chancen des digitalen Wandels für sich zu nutzen, müssten Logistikfirmen daher schnell einen «digitalen Fahrplan» entwickeln.

Dabei sollten sie im ersten Schritt ihren potenziellen Umsatz- und Gewinnverlust durch neue digitale Geschäftsmodelle ermitteln. Entsprechend müssten dann die künftige strategische Ausrichtung festgelegt und die passenden Massnahmen definiert werden. «Darüber hinaus sollte im Sinne einer digitalen Transformation ein Umdenken sowohl beim Management von IT-Projekten als auch in den Unternehmen selbst stattfinden», empfiehlt die Roland-Berger-Studie. Besonders wichtig sei dabei, die Positionierung gegenüber den Online-Plattformen klar zu definieren und gegebenenfalls Kooperationspartner für den Aufbau einer eigenen Plattform zu suchen.

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