Die Zukunft im Kopf: Matthijs van Doorn vom Hafen Rotterdam

Nach dem Rekordjahr 2015 ist man im Hafen Rotterdam über die leicht gesunkenen Zahlen in 2016 nicht beunruhigt. Matthijs van Doorn, Leiter Logistik, erläuterte dem ITJ, warum das so ist.

Der gesamte Güterumschlag in Rotterdam hat 2016 um 1,1 % auf 461,2 Mio. t abgenommen. Während trockene Schüttgüter wie Erz und Kohle zurückgingen, verblieben die flüssigen Massengüter auf hohem Niveau. Das Containersegment entwickelte sich mit  12,4 Mio. Teu stabil (+1,2%). Auch das containerisierte Volumen legte um 0,6% auf 127,1 Mio. t leicht zu. Ein Übergangsjahr, das die Frage nach den Zukunftsperspektiven aufwirft. Matthijs van Doorn, Leiter Logistik und gebürtig aus Rotterdam, sprach mit Christian Doepgen.

Mathiijs van Doorn, Leiter Logistik Hafen
Rotterdam

Herr van Doorn, wo liegt für Rotterdam die Zukunft?
Eine Antwort liegt z.B. in der zunehmenden Zahl der Megaschiffe, die unsere Häfen anlaufen. Unser «Startup Beschleuniger Programm» Port XL unterstützt Start­ups im Hafengeschäft. Wir testen die Auswirkungen eines ­3D-Metalldruckers auf den Handel, machen grosse ­Flächen für die Bio-Treibstoffe

frei, um an der Energiewende teilzuhaben, und setzen unsere Initiative fort, um die Offshore-Industrie weiter an Rotterdam zu binden. Unser Motto lautet: Das Laufende halten, das Neue anstreben.

Welche Tendenz sehen Sie als Logistiker im Hinterland?
Der Markt ist an zusätzlichen Alternativen z.B. entlang des Rheins interessiert. Unsere Strategie heisst deswegen: weiter ausgreifen! Neben der etablierten Verbindung nach Duisburg, deren Frequenz wir stetig erweitern, haben wir in den vergangenen Jahren zusätzliche Ziele verfolgt. So wurde auf Basis der «Bayrolo»-Studie in Zusammenarbeit mit der Bayernhafen-Gruppe und Spediteuren die
Relation nach Bayern verstärkt. Hier liegen Wachstums-gebiete, ebenso wie in Österreich und Polen.

Wie wollen Sie die Entwicklung vorantreiben?
Unsere Vision beinhaltet etliche neue Korridore, u.a. die Öffnung des Marktes in Zentraleuropa. Das entscheidende Stichwort heisst indessen Ausdauer, um das vorhandene Potenzial zu heben. Zudem bleibt die Anzahl der verfügbaren Operateure auf den einzelnen Strecken ebenso überschaubar wie die Kapazitäten, da der Hafen bereits über  250 Shuttles aufweist. Wir arbeiten eng mit Schienen-
operateuren wie EGS und TX Logistics zusammen.

Welche Massnahmen laufen zur Zeit?
Wir beteiligen uns aktiv an der dritten Spur der Betuwe-Linie, dem Herzstück unserer Verbindung nach Europa, die zwischen Zevenaar und der deutschen Grenze noch in diesem Jahr vollendet wird. In der Kooperation von Pro Rail und DB Netze werden mögliche Engpässe identifiziert und im Vorfeld bereits Lösungen erarbeitet.

Wie sieht es bei anderen Verkehrsträgern aus?
Die Binnenschifffahrt wächst im Durchschnitt jährlich um 2 bis 3%, eine planmässige Rheinvertiefung wäre willkommen. Aber auch der Lkw-Verkehr, über den bis zu 50% des Umschlags in Rotterdam läuft, wird optimiert. So lässt sich inzwischen die Durchlaufzeit zwischen  Rotterdam und Venlo mit digitaler Unterstützung von  neun auf fünf Tage verkürzen.

Wo steckt zusätzliches Potenzial?
Einen guten Trend machen wir im Short Sea Shipping aus. Für die Märkte z.B. in Skandinavien, Grossbritannien und Iberien werden wir immer mehr zu einem trimodalen Hub. Für den Bereich Perishables, auch ein Wachstumsmarkt, bauen wir ein weiteres Kühlzentrum. Wir sind stetig dabei, den Bedürfnissen des Marktes nachzugehen.

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