Bahngüterverkehr soll politisch mehr Gewicht erhalten

Zwei Mediengespräche beschäftigten sich gestern in Zürich und Bern mit der Zukunft des Bahngüterverkehrs in der Schweiz. Die dort erhobenen Forderungen fielen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Mehr Lastwagen sollen durch die Schweiz fahren“, titelte 20minuten.ch. Und die Verkehrsrundschau aus Deutschland meldete gar „Verlagerungspolitik ist gescheitert“. Die Neue Zürcher Zeitung spricht von „Dampf für die Güterbahn“ und Blick am Abend schrieb sogar „Lastwägeler haben genug“. Etwas sachlicher die Basler Zeitung heute morgen: „Der Güterverkehr will politisch beachtet werden“. Auch Cash schrieb in der Online-Ausgabe: „Güterverkehr soll höhere Priorität erhalten“.

Denn in seinem Mediengespräch gestern in Zürich forderte der Verband der verladenden Wirtschaft (VAP), dass der Bahngüterverkehr in der Schweiz politisch mehr Gewicht bekommen soll. Neben dem Ausbau der Infrastruktur wurden auch eine schnelle Sanierung von SBB Cargo sowie wettbewerbsfähige Preise bei der Trassenbenutzung verlangt. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Bahngüterverkehrs langfristig zu verbessern, sollte laut VAP-Geschäftsführer Frank Furrer die Infrastruktur so ausgebaut werden, dass sie 750 Meter lange Züge mit 4 Meter hohen Fahrzeugprofilen aufnehmen kann. Der Zugang zu dieser Infrastruktur müsse zweitens durch eine Neugestaltung der Prioritätenordnung zwischen Personen- und Güterverkehr erleichtert werden.

Der Transportchef der Migros, Bernhard Metzger, betonte in dem Mediengespräch seinen Wunsch als Kunde, dass SBB Cargo als Betreiberin des Wagenladungsverkehrsnetzes möglichst schnell eine schlanke Struktur und eine hohe Effizienz erreicht. Wirtschaftlich unrentable Bedienungspunkte des Wagenladungsverkehrs müssten beispielsweise geschlossen werden. Heute würden an rund 250 Bedienungspunkten pro Woche lediglich 5 Güterwagen abgefertigt. „Das kann nicht rentabel sein„, meinte der Migros-Transportchef. Die Leistungsvereinbarung 2013 bis 2016 müsse deshalb präzisiert und entsprechend angepasst werden.

Tagesschau vom 16.02.2012

Auch wenn der Bundesrat im vergangenen Dezember eingestehen musste, dass es aussichtslos ist, die Anzahl Lastwagen, welche die Schweizer Alpen auf der Strasse queren, bis 2018 auf 650.000 zu senken, war die Verlagerungspolitik in den letzten 10 Jahren „dennoch kein Flop“. Das betonte gestern in Zürich Hupac-Direktor Bernhard Kunz. Auf den alpenquerenden Strecken befördere der kombinierte Verkehr mit 17 Millionen Tonnen mittlerweile mehr Güter als der Strassenverkehr mit 14 Millionen Tonnen. Dass dieses Ergebnis auf einer dicht befahrenen, über 125-jährigen Bahninfrastruktur mit unzähligen Engpässen im Norden und Süden habe erzielt werden können, sei nur dank den koordinierten Anstrengungen von Markt, Bahnen und Verkehrspolitik möglich geworden.

Der Schweizer Nutzfahrzeugverband ASTAG, der sich gestern ebenfalls zu Wort gemeldet hat, sieht das völlig anders. Bei der Vorstellung seiner „Verlagerungsstrategie 2030“ in Bern verlangte der Verband die Anpassung des Verlagerungsziels auf Gesetzesstufe von 650.000 auf 1 Mio. Fahrten und die klare Fokussierung auf den Transitverkehr. Bei den Massnahmen setzt die ASTAG auf „neue Verlade-Terminals anstelle von Subventionen für den Einzelwagenladungsverkehr, eine richtige Trassenpreisreform und eine neue Prioritätenregelung auf der Nord-Süd-Achse.“ Der Güterverkehr müsse gegenüber dem Personenverkehr bei der Trassenvergabe auf der Nord-Süd-Achse bevorzugt behandelt werden, wenn die Verlagerungspolitik erfolgreich sein solle.

Bereits vor einigen Wochen hatte der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) ein Positionspapier zu diesem Thema vorgestellt. Darin werden u.a. die rasche Realisierung eines Vier-Meter-Korridors durch die Schweiz, der Ausbau der Anschlüsse im Norden und im Süden sowie die betriebswirtschaftliche Ausrichtung des Einzelwagenladungsverkehrs (EWLV) gefordert.

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