Speditionslehrlinge sollen mehr über Güterbahn lernen.

Ein deutscher Interessensverband fordert, dass die Güterbahn künftig in der Ausbildung der Speditionskaufleuten einen grösseren Platz einnehmen soll. Unterdessen zeigt ein Blick in die Statistik, welche unterschiedlichen Rollen die Güterbahn in der EU spielt.

Im Vorfeld der internationale Logistik- und Lieferkettentag beklagte der deutsche Interessensverband «Allianz pro Schiene», dass die Ausbildung in Hinblick auf die Bedürfnisse der Güterbahn zunehmend zu kurz komme. Nach Ansicht von Dirk Flege, Geschäftsführer der Vereinigung, wickle die deutsche Logistikwirtschaft «ein gewaltiges Volumen ab, aber sie ist in puncto Schiene nicht auf der Höhe der Zeit».

Speditionslehrlinge
Die Güterbahn soll eine wichtigere Rolle spielen in der Ausbildung von Speditionslehrlingen.

Seine Kritik richtet sich dabei auch gegen die aktuelle Ausbildung: «In der Ausbildungsordnung für Speditionskaufleute fehlt heute das Wissen, wie die Güterbahn funktioniert. Junge Logistiker in Deutschland lernen meist nur noch Lkw.» Langfristig befürchtet der Verband, dass Bahnspediteure als Folge kaum qualifiziertes Personal am Arbeitsmarkt fänden und neue Mitarbeiter selbst in dem Bereich schulen müssen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des kombinierten Verkehrs fordert der Verband, das Fach Güterbahn in die Ausbildungsverordnung zu integrieren.

Ein Blick auf die vom europäischen Amt für Statistik herausgegebene Statistik für den Güterverkehr zeigt unterdessen, welch unterschiedliche Rolle die Schiene spielt. Die neuesten Daten der EU von 2013 zeigen, dass von den 2200 Mrd. tkm ca. drei Viertel (74,9%) auf die Strasse entfallen sind. 18,2% der Güter wurden per Güterbahn zum Ziel gebracht, 6,9% per Binnengewässer.

Niedriger Strassenanteil im Baltikum

Während der Gütertransport per Strasse in Ländern, wie Spanien, Irland, Griechenland bei über 90%, liegt der Anteil im Baltikum relativ niedrig: in Estland bei 36,3%, in Litauen bei 33,4% und Lettland bei 18,8%. 2013 hatte der Anteil der Schiene am Gütertransport in den Flächenländern der EU folgenden Anteil: Deutschland 26,6%, Frankreich 16,3%, Italien 14,5%, Grossbritannien: 13,4%, Spanien 5,2%. Vor dem Hintergrund eines zunehmenenden Güterverkehrs und dem Bestreben der EU, ihre Klimaziele zu erreichen, wäre ein höherer Anteil der Schiene zwar wünschenswert, allerdings gibt es in der Praxis dabei mehr Probleme als auf den ersten Blick zunächst sichtbar sind.
Wenn in Europa Güterzüge die Grenzen passieren, tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, da es in den verschiedenen Ländern nach wie vor oft eigene Standards gibt. Zudem müssen Lokomotiven für die unterschiedlichen Strom- und Signalsysteme ausgerüstet sein. Hinzu kommt, dass die Güterbahnen über keine eigene Netze, wie etwa in den USA verfügen. In Deutschland z. B. muss der Güterverkehr auf der Schiene stets Rücksicht auf den Personenverkehr nehmen.

Welche belebende Rolle die Güterbahn spielt, zeigt das Beispiel Argentinien. Dort wurden Anfang Jahr die ersten beiden neuen Loks für die Belgrano Strecke geliefert, die die nördlichen Provinzen des Landes mit den Häfen Buenos Aires und Rosario verbindet. 38 weitere Loks sollen folgen. Argentinien bringt nun die 1600 km-Strecke auf den aktuellen Stand und will die Wirtschaft in den nördlichen Provinzen in Schwung bringen. Auch die Strecke San Martin soll für den Güterverkehr modernisiert werden.

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