«Wir haben einen Plan für unsere anspruchsvolle Situation. Von Konkurs kann keine Rede sein.»

Gestern titelte die NZZ am Sonntag, dass dem Güterverkehr der Ruin drohe. SBB Cargo-Chef Nicolas Perrin nimmt Stellung.

Nicolas Perrin, stimmt der NZZ-Beitrag, nachdem SBB Cargo der Ruin droht?
Nicolas Perrin, Leiter SBB Cargo, Mitglied der Konzernleitung SBB. Bild: Christine Strub © christinestrub.chNein. Die Behauptung, dass SBB Cargo ohne einen Partner der Konkurs drohe, ist schlicht falsch. Dass wir unter Druck stehen stimmt, das hat uns ja das schwierige Jahr 2017 gezeigt. Am 1. März haben wir deshalb den Sanierungs- und Entwicklungsplan präsentiert. Dieser wird uns wieder auf Kurs bringen. Würden wir zuwarten – und wie von gewissen Politikern gefordert – eine «Denkpause» einlegen, so kämen wir in eine Abwärtsspirale. Ohne den von uns beschlossenen Plan würde sich das Ergebnis weiter verschlechtern mit dem Risiko eines Defizits von rund 100 Millionen Franken.

Wo ist der dringendste Handlungsbedarf?
Heute werden 90 Prozent der Wagen nur über etwa die Hälfte der 344 Bedienpunkte transportiert. Diesen System-Wagenladungsverkehr in Wirtschaftsräumen mit grossen Gütermengen wollen wir weiter stärken. Bei der anderen Hälfte der Bedienpunkte mit Einzel-Wagenladungsverkehr steht die Bahn immer stärker unter Druck. Allein zwischen 2011 und 2017 sank die transportierte Menge um über einen Drittel auf durchschnittlich lediglich zwei Wagen pro Tag. Das zeigt, dass hier unser Produkt am Markt nicht stark genug ist. Diese Bedienpunkte überprüfen wir aktuell mit unseren Kunden. Ausserdem sind wir daran, unsere Prozesse stark zu vereinfachen. Dies hat eine Reduktion von 330 Stellen bis Ende 2020 zur Folge: Rund 100 Stellen in der Verwaltung, rund 80 im Bereich Lokführer sowie ca. 150 Stellen beim Rangierpersonal.

Wo stehen die Sanierungsarbeiten?
Unser Ziel ist es, im Binnenverkehr spätestens 2020 eine schwarze Null zu erreichen und danach reinvestitionsfähig zu werden. Ins aktuelle Jahr sind wir deutlich besser als ins 2017 gestartet. Wir haben unsere Umsatzziele erreicht, sind aber bei den Kosten noch über der gesteckten Messlatte. Bei der Bedienpunkteüberprüfung sind wir in intensiven Gesprächen mit unseren Kunden in den Kantonen Bern und Jura. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass der Weg richtig ist, gemeinsam nach neuen Lösungen zu suchen. Ich hatte in den letzten Wochen nebst den Kunden auch mit Kollegen aus den Branchen kontakt. Sie haben mir mehrfach versichert, dass wir mit unserem Sanierungsplan auf dem richtigen Weg sind.

Gleichzeitig nutzen wir die Möglichkeiten der Automation und Digitalisierung und investieren bis 2023 90 Millionen Franken. Neben der automatischen Kupplung und Bremsprobe bringen auch Informationssysteme den Kunden mehr Transparenz und Sendungsinformationen in Echtzeit. Details hier: www.sbbcargo.com/innovation.

Und wie steht es mit der Partnerstrategie?
Wir wollen gemeinsam mit anderen Marktteilnehmern und Investoren SBB Cargo stärken. Bei SBB Cargo International ist dieses Modell bereits erfolgreich. In den kommenden Monaten wollen wir Gespräche mit möglichen Partnern führen, die sich für SBB Cargo als verlässliches und finanziell nachhaltiges Unternehmen stark machen, das Geschäft strategisch mitgestalten, investieren, sowie Erfolge und Risiken mittragen. In diesem Rahmen wird unser Verwaltungsrat per Januar 2019 ergänzt. Anschliessend wird abhängig vom Partnerschaftsprozess ein externes Verwaltungsrats-Präsidium eingesetzt. Damit erfüllt die SBB die Ziele des Bundesrates: SBB Cargo wird stärker aus dem Konzern herausgelöst und ab Januar 2019 als Tochtergesellschaft geführt.

Insofern stimmt es, dass die Partnerschaft ein wichtiges Element unserer Entwicklung ist. Aber nicht wie in der NZZ behauptet nur das einzige Element. Wenn wir besser und stärker werden, nützt das auch für den Partnerschaftsprozess.

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