SBB Cargo: Stärken ausbauen und Schwächen ablegen.

SBB Cargo will im Jahr 2020 wieder eine schwarze Null schreiben. Deshalb wird die SBB-Tochter ihr Bahnnetz in den nächsten sechs Jahren umbauen. Sie überprüft Bedienpunkte, die nur einzelne Güterwagen am Tag abwickeln. Gleichzeitig baut SBB Cargo Bedienpunkte mit grosser Kundennachfrage aus.

Heute transportiert SBB Cargo 90 Prozent der Güterwagen über etwa die Hälfte der 344 Schweizer Bedienpunkte. Ein Bedienpunkt ist sozusagen ein Bahnhof für Güter – hier liefert SBB Cargo einzelne Wagen an oder holt sie ab. Das Unternehmen will nun den sogenannten System-Wagenladungsverkehr in Wirtschaftsräumen mit grossen Gütermengen weiter stärken und den Kunden ein regelmässiges und zuverlässiges Angebot bieten – denn dort ist die Bahn stark. Mit schnelleren und häufigeren Verbindungen, reservierten Trassen und nicht zuletzt dank der Automation kann sich SBB Cargo auch mit steigenden Anforderungen in der Logistikkette der Kunden nachhaltig erfolgreich positionieren.

Hoher Aufwand für kleine Mengen im Einzel-Wagenladungsverkehr.

Bei der anderen Hälfte der Bedienpunkte mit Einzel-Wagenladungsverkehr steht die Bahn allerdings immer stärker unter Druck. Zwischen 2011 und 2017 sank die transportierte Menge um über ein Drittel auf lediglich zwei Wagen pro Tag. Damit ist der Einzel-Wagenladungsverkehr überproportional ressourcen- und planungsintensiv. Fallen auf einem Bedienpunkt grössere Mengen weg und die Bedienung wird nicht angepasst, erhöhen sich die Stückkosten für die verbleibenden Wagen. Am Beispiel La Chaux-de-Fonds: Ein Kunde verlagert seine Transporte auf die Strasse, womit drei Viertel der aktuellen Menge und Umsatz wegfallen. Für die Zustellung der Wagen bei den Kunden in La Chaux-de-Fonds wird aber weiterhin eine Streckenlok mit Lokführer und ein Rangiermitarbeiter ab Biel benötigt. Die Restmenge von ein bis zwei Wagen pro Tag kann nicht mehr effizient produziert werden.

Deshalb überprüft SBB Cargo vorausschauend mit ihren Kunden, ob es Alternativen zu einer fixen täglichen Bedienung gibt. Dazu gehören beispielsweise die Bündelung von Verkehren über andere Standorte, die Konzentration von Mengen, die Kombination mit der Strasse, Übergangslösungen oder alternative Finanzierungen beispielsweise durch Kantone. «Wir beziehen unsere Kunden eng in die Überprüfung der Bedienpunkte ein, um Überraschungen zu vermeiden», erklärt Nicolas Perrin, Leiter von SBB Cargo. Und fügt an: «Aber wir müssen auch ehrlich mit uns sein; Für die Feinverteilung sehr kleiner Mengen ist der Lastwagen nun einmal flexibler und effizienter.»

Dennoch: Es gibt auch sehr erfolgreiche Bedienpunkte von SBB Cargo. Cadenazzo, Rothenburg, Gossau oder Genève La Praille sind Orte, an denen viele Cargo-Kunden wie Migros, Coop, die Post oder Fenaco – um nur einige zu nennen – ihre Waren aufgeben oder beziehen. Diese werden künftig teilweise sogar ausgebaut.

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