Aktuelles Interview: "Gotthardsperre fordert uns planerisch und wirtschaftlich"

Der Felssturz bei Gurtnellen und der Unterbruch der Gotthardroute haben grosse Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr. Nur rund 40 Prozent des Gütervolumens vom Gotthard können über den Simplon abgewickelt werden. SBB Cargo ist von der Gotthardsperre sowohl im internationalen wie auch im Binnenverkehr betroffen. Eine sehr beschränkte Transportkapazität ins Tessin konnte für Ganzzüge und Einzelwagen via Lötschberg und Simplon gesichert werden. Claudia Demel, Leiterin Netz Ganzzug, SBB Cargo Produktion, hat letzte Woche den Notfallstab bei SBB Cargo geleitet. Sie gibt im Interview einen Einblick ins Management des Ereignisses bei SBB Cargo.

Wie wirkt sich die Gotthardsperre auf den Güterverkehr aus?

Claudia Demel: Das Tessin hat durch die Gotthardsperre faktisch für rund einen Monat keine direkte Anbindung mehr ans Schweizer Schienengüternetz. Dies ist eine planerische, aber auch wirtschaftliche Herausforderung für alle Güterbahnen mit Transporten von und nach dem Tessin. Wir suchen derzeit gemeinsam mit unseren Kunden alternative Transportmöglichkeiten. Beispielsweise prüfen wir einen Schiene-Strasse-Umlad von Zement in Altdorf und Kies in Flüelen. Es werden Lokführer vom Depot Erstfeld nach Brig verschoben.

Wie stellt SBB Cargo die Transporte von und nach dem Tessin sicher?

Claudia Demel: SBB Infrastruktur hat SBB Cargo zusätzliche Umfahrungstrassen via Simplon zugesichert. Unser oberstes Ziel ist nun, zusammen mit unseren Partnern im Süden die Weiterleitung dieser Züge zu sichern. Es geht um die Feinverteilung im Tessin, die wir über eine Bypass-Verbindung via Domodossola nach Chiasso sicherstellen. Aber auch um die Import- und Export-Verkehre von und nach Italien. Unser Vertrieb legt in enger Absprache mit unseren Kunden fest, welche Züge verkehren.

Was ist die grösste Herausforderung in den nächsten Tagen?

Claudia Demel: Erstens müssen wir die wenigen zusätzlichen Trassen von und nach Süden optimal nutzen und die Transporte bestmöglich priorisieren. Dafür müssen wir – zweitens – zu jeder Zeit die richtigen Ressourcen, also Loks und Lokführer, am richtigen Ort haben. Drittens suchen wir für unsere Kunden Lösungen für ihre Transportbedürfnisse zwischen Nord und Süd. Dafür sprechen wir uns eng mit unseren Kunden ab.

Was empfiehlt SBB Cargo ihren Kunden, die Güter für den Transport von oder nach dem Tessin haben?

Claudia Demel: Unseren Kunden empfehle ich, den persönlichen Kundenberater zu kontaktieren. Wir versuchen, bestmögliche Lösungen für sämtliche Transportbedürfnisse zu finden.

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