Gotthard-Bahnlinie ab heute Abend wieder für Gütertransporte offen

Rund vier Wochen nach dem Felssturz in Gurtnellen vom 5. Juni 2012 sind heute wieder die ersten Züge über den bisher gesperrten Streckenabschnitt Erstfeld–Göschenen der Gotthard-Bahnlinie gerollt. Mit direkt vor Ort dabei: Eine Reihe von Medienvertretern.

Die wichtige Transitachse war seit dem Felssturz für den Zugverkehr unterbrochen und Güterzüge mussten weiträumig umgeleitet werden. Ab heute Abend ist die wichtige Nord–Süd-Achse wieder ohne Einschränkung doppelspurig befahrbar. Die Instandstellungsarbeiten der Gleise an der für den alpenquerenden Güterverkehr wichtigen Gotthard-Bahnlinie wurden in den frühen Morgenstunden abgeschlossen. Im Verlauf des Tages finden noch Testfahrten statt, damit die doppelspurige Strecke gegen Abend für den Güterverkehr wieder vollumfänglich zur Verfügung steht. Ab 3. Juli 2012 verkehren zudem auch die Züge des Personenverkehrs wieder fahrplanmässig über die Nord–Süd-Achse.

Der Unterbruch der Gotthardlinie zwischen Erstfeld–Göschenen stellte nicht nur die Infrastruktur der SBB, sondern auch jene der BLS vor logistische Herausforderungen. Die sonst täglich rund 120 über die Gotthard-Route verkehrenden Güterzüge mussten weiträumig, ein Grossteil davon über die Lötschbergachse der BLS und weiter über den Simplon in Richtung Italien umgeleitet werden. Bruno Stehrenberger, Leiter Betrieb bei SBB Infrastruktur, lobte deshalb anlässlich der Baustellenbegehung in Gurtnellen auch die Zusammenarbeit mit allen Partnern: „Nur dank dem engen und offenen Informationsaustausch mit den Bahnen und Transportpartnern aus dem In- und Ausland war es überhaupt möglich, den Verkehr über die Schweizer Ausweichrouten optimal zu planen und den Güterverkehr trotz Kapazitätsengpässen während der vierwöchigen Sperre abzuwickeln.“.

Re 484 mit Lokzug bestehend aus Re 620 + Re 420 in Novara Stazione

Zahlreiche Journalisten, Fotografen und TV-Teams waren heute Vormittag vor Ort in Erstfeld und Gurtnellen, um sich mit eigenen Augen vom erfolgreichen Abschluss der Arbeiten zu überzeugen. Unter anderem gibt es bereits Berichte bei SF Tagesschau, Swissinfo.ch, NZZ Online und 20 Minuten online.

Albert Müller, Leiter Naturrisiken bei SBB, zeigte sich bei der improvisierten Medieninformation sehr erleichtert, dass die Arbeiten in Gurtnellen planmässig am 2. Juli schon am frühen Morgen abgeschlossen werden konnten: „Die Bauleute der SBB wie auch die beteiligten Partnerfirmen haben hervorragende Arbeit geleistet. Der Zeitplan war äusserst knapp bemessen. Jetzt finden noch Testfahrten statt, damit der Güterverkehr am Abend wieder anrollen kann.“ Nach der Sprengung am 18. Juni 2012, bei welcher nochmals rund 2000 Kubikmeter Gestein weggesprengt wurden, mussten zuerst umfangreiche Hangsicherungsarbeiten vorgenommen werden, bevor mit der eigentlichen Instandhaltung der Bahnlinie begonnen werden konnte. Fangnetze wurden zwischenzeitlich nicht nur über die abgesprengte Felspartie gespannt, sondern auch unterhalb des Felsens über die ganze Breite der Abbruchstelle ein weiteres Netz montiert.

Mehrere tausend Flugbewegungen mit Helikoptern waren notwendig, um Baumaschinen, Schutzmatten und Netze vor Ort zu bringen. So konnte auch der zwischen der Felsabbruchstelle und Bahnlinie gelegene Hang mit Kokosmatten überdeckt und mit einem weiteren Netz befestigt werden. Pflanzenbewuchs soll dafür sorgen, dass die Stelle bald wieder begrünt werden kann. Ebenso ist die Aufforstung von neuem Schutzwald vorgesehen. Im Felssturzgebiet von Gurtnellen werden die Schutznetze zudem mit Sensoren ausgerüstet, um auch kleinste Bewegungen oder Steinschläge sofort zu registrieren.

Alleine nur die Arbeiten in Gurtnellen werden Kosten in Höhe von rund 5–6 Millionen Franken auslösen. Rechnet man die Aufwendungen für Logistik, Personal und den Bahnbetrieb hinzu, geht die SBB nach ersten Schätzungen von finanziellen Aufwendungen im zweistelligen Millionenbereich aus. Welche Kosten durch Versicherungen gedeckt und wer nun allfällige Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit dem Naturereignis geltend machen kann, wird sich erst in einigen Monaten abschliessend beurteilen lassen. „Naturereignisse in dieser Grösse kommen äussert selten vor. Dank jährlicher Investitionen von netzweit rund 30 Millionen Franken in Schutzwälder und Schutzbauten wie Galerien oder Lawinenverbauungen und der dauernden Beobachtung der Natur, ist der Bahnbetrieb ohne grössere Einschränkungen überhaupt möglich“, so Albert Müller. Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2016 wird in rund vier Jahren auch am Gotthard eine Ausweichroute zur Verfügung stehen, welche das Risiko von längeren Unterbrüchen im Nord–Süd-Verkehr weiter minimiert.

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