Bald mehr Güter für Basel

Damit die Schweiz ihren grenzüberschreitenden Containerverkehr auch künftig nachhaltig bewältigen kann, ist der Bau eines trimodalen Terminals für Güterzüge, Lastwagen und Schiffe am Rhein zwingend. Noch sind nicht ganz alle Fragen geklärt, doch in Basel herrscht Zuversicht, was das Projekt Gateway Basel Nord anbelangt.

Das geplante Gateway Basel Nord (GBN) ist nicht nur für SBB Cargo, Contargo und Hupac – die zusammen die Gateway Basel Nord AG bilden – ein Grossprojekt, sondern für die gesamte Schweizer Logistikbranche. Denn GBN, ein trimodales Terminal für Schiene, Strasse und Rhein, sichert den Anschluss der Schweiz an die Güterverkehrsströme in Europa (u. a. Neat) und steht damit für den nachhaltigen und attraktiven Güterverkehr auf der Schiene. Zudem ist GBN ein Garant dafür, dass Basel respektive die Schweiz im Konzert des global rasch wachsenden Containerverkehrs auf Wasser auch künftig eine aktive Rolle spielen kann und Wertschöpfung in der Schweiz gehalten wird.

Und schliesslich spielt das Terminal eine aktive Rolle in der Verlagerungspolitik des Bundes. Als einziges Terminal in der Schweiz hat GBN vom Bundesamt für Verkehr eine Modal-Split-Vorgabe von 50 Prozent Schienenanteil erhalten. Somit muss jeder zweite Container, der im Gateway Basel Nord umgeschlagen wird, auf der Schiene in der Schweiz feinverteilt werden. GBN leistet damit einen aktiven Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses und zum Umweltschutz.

50 Prozent mehr auf der Schiene

Kern des Bauprojekts sind neben einem dritten Hafenbecken sechs parallel angelegte Umschlagsgleise von bis zu 750 Metern Länge. Fünf Kräne ermöglichen es, mehrere komplette Züge von 750 Metern Länge gleichzeitig zu verarbeiten – für Schweizer Verhältnisse ist das einzigartig. Die langen Umschlagsgleise zusammen mit einer modernen Krananlage erlauben gegenüber heute einen wesentlich effizienteren Verlad zwischen den drei Verkehrsträgern Schiff, Schiene und Strasse. Heute beträgt die Gleislänge im Basler Hafen lediglich 150 bis 200 Meter.

Neben der Bündelung der Verkehrsträger Schiff, Schiene und Strasse an einem Ort werden mit Gateway Basel Nord dringend benötigte Umschlagskapazitäten in den Rheinhäfen geschaffen und deutliche Effizienzsteigerungen auf der Schienenseite erzielt. Mit der Vorgabe einer 50-prozentigen Verlagerung der Container auf die Schiene werden dank GBN pro Jahr über 100 000 Lkw-Fahrten auf die Schiene verlagert und damit die Strassen in der Nordwestschweiz stark entlastet. Zum Vergleich: Aufgrund mangelnder Effizienz in den Rheinhäfen verlassen heute 90 Prozent der Container die Hafenterminals per Lkw und nur 10 Prozent per Bahn. Mit GBN soll der Schienenanteil auf bis zu 50 Prozent erhöht werden.

Baubeginn Ende 2020 geplant

Die Realisierung des Vorhabens ist mit dem laufenden Verfahren für 2020 geplant. Auf dem seit 1990 brachliegenden GBN-Grundstück beim Badischen Rangierbahnhof in Basel haben sich inzwischen viele Pflanzen und schützenswerte Tierarten angesiedelt, die einen trocken-warmen Standort benötigen. Dies hat Naturschutzverbände auf den Plan gerufen. Um den berechtigten Anliegen des Naturschutzes Rechnung zu tragen, müssen die Projektverantwortlichen zur Kompensation Ersatzflächen in der regionalen Umgebung schaffen.

«Die Suche nach solchen Flächen hat sich im dicht besiedelten Raum der Region Basel als sehr anspruchsvoll erwiesen», erklärt Raven Schäfer, Projektleiter bei der Gateway Basel Nord AG. Nicht zuletzt deshalb hält der Widerstand der Naturschutzverbände bis heute an. Gleichwohl ist Schäfer zuversichtlich, dass es mit der Umsetzung von GBN bald klappt. Befeuert wurde der Projektfortschritt von der Wettbewerbskommission (WEKO) in Bern, die dem Zusammenschluss der drei Logistikfirmen im Juni dieses Jahres ihren Segen erteilt hat (vgl. Box). «Der nächste und wichtigste Meilenstein ist nun der Erhalt der Baugenehmigung vom Bundesamt für Verkehr», so Schäfer. Inwieweit diese Genehmigung dann Rechtskraft erlange, hänge von den Naturschutzverbänden und deren Entschlossenheit ab, die Beschwerde zur nächsten Instanz weiterzuziehen.

Schäfer und sein Team arbeiten auf einen Baubeginn gegen Ende 2020 und die Inbetriebnahme der ersten bimodalen Ausbaustufe mit Schiene und Strasse Ende 2022 hin. Die Betriebsaufnahme des voll ausgebauten Gateway Basel Nord im trimodalen Modus sei zum aktuellen Zeitpunkt gegen Ende 2024 realistisch.

Viel Zuspruch aus breiten Kreisen

Unterstützung ist dem Grossprojekt aus breiten Kreisen und allen politischen Lagern gewiss. Dezidiert äussert sich etwa Christoph Brutschin, SP-Regierungsrat und Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt des Kantons Basel-Stadt. «Gateway Basel Nord erhöht die Chancen der Schweizer Logistikbranche im internationalen Wettbewerb. Denn auch in Seehäfen wie Antwerpen oder Rotterdam laufen massive Bestrebungen, den Güterverkehr auf Schiff und Schiene zu verlagern. Damit die Schweiz im kombinierten Import-/Export-Verkehr nicht den Anschluss verliert, braucht es ein modernes Containerterminal.»

Die Alternative zu GBN ist für Brutschin denkbar unattraktiv. «Wenn das Projekt nicht kommt, werden die Container auf absehbare Zeit im nördlichen Ausland umgeschlagen und per Lastwagen in die Schweiz gefahren.» Dank der Verlagerung auf die Schiene unterstütze das trimodale Terminal also den Klimaschutz wie auch die regionale Wirtschaft. «Laut einer unabhängigen Studie des Wirtschaftsinstituts BAK Basel wird GBN eine jährliche Bruttowertschöpfung von 89 Millionen Franken generieren und über 550 neue Arbeitsplätze schaffen.»

An vorderster Front für die Realisierung von GBN weibelt auch Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-Nationalrätin und Präsidentin der Handelskammer beider Basel. «Rund 30 Prozent des Schweizer Aussenhandels finden über den Logistikcluster Region Basel statt. Damit die Schweizerischen Rheinhäfen diese Aufgabe weiterhin erfolgreich erfüllen können, braucht es leistungsfähige Infrastrukturen, die das Wasser mit den anderen Verkehrsträgern verknüpft.» Nicht zu vergessen sei ausserdem, dass der wasserseitige Transport eine klimafreundliche Form des Güterverkehrs darstelle.

Solche Argumente haben längst auch Organisationen aus Naturschutzkreisen ins Boot der GBN-Befürworter geholt. So etwa die Vertreter der Alpen-Initiative. «Der vorliegende Interessenkonflikt zwischen Artenschutz und Verlagerungspolitik ist für uns genau wie für alle anderen Umwelt- und Naturschutzverbände natürlich eine Herausforderung», sagt Django Betschart, Leiter Alpenschutzpolitik bei der Alpen-Initiative. «Für uns als Verein, der sich zum Schutz unseres sensiblen Alpengebiets für eine nachhaltige Verkehrspolitik starkmacht, überwiegen beim Projekt GBN aber die verlagerungspolitischen Vorteile.»

Intermodale Lösungen im Visier

Wie die Logistikbranche von GBN profitieren könnte, weiss Bettina Castillo, Transport Operations Manager der Ikea Supply AG: «Gateway Basel Nord ist ein weiterer wichtiger Schritt, intermodale Lösungen im internationalen Transportmarkt zu entwickeln und voranzutreiben. Zudem ermöglicht uns dieses Projekt, künftig die Eigenschaften verschiedener Verkehrsträger optimal zu nutzen, zu kombinieren und damit ihr Gesamtpotenzial auszuschöpfen.» Ikea Transport habe bereits intermodale Lösungen in die globale Transportkette integriert und lege weiterhin viel Wert darauf. Deshalb sei man an Weiterentwicklungen in diesem Bereich interessiert. «Insbesondere, weil sich dank Projekten wie Gateway Basel Nord neue Möglichkeiten für unser Gesamttransportnetzwerk ergeben», betont Castillo.

Fotos: Marvin Zilm

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