Alles express bei Saviva

Die Terminvorstellungen von Saviva waren eine Herausforderung – gefunden hat man sich trotzdem. Besser noch: Die Grosshandelstochter der Migros und SBB Cargo wollen gemeinsam weitere Verkehre auf die Schiene verlagern. Wie kommts?

Kreuz und quer sausen die elektrischen Wägelchen durch die Lagergassen am Hauptsitz in Regensdorf, ihre Fahrer «picken» hier Rahm, dort Pasta oder Putzmittel auf – kommissionieren heisst das in der Fachsprache. Die Arbeitskleider tragen das Saviva-Logo oder noch jenes der Vorgängerin Scana. Als Unternehmen gibt es Saviva seit 2013, doch markenmässig und logistisch ist die Integration von Scana, Mérat und Lüchinger + Schmid – alle schon zuvor in Migros-Besitz – noch sehr jung.

Manches aus den Regalen kommt aus Migros-Produktion, anderes trägt Namen wie Emmi, Hero oder Kambly. Das Sortiment scheint end- und die Aufnahmebereitschaft für Fremdmarken grenzenlos. Sogar Zigarren oder ein guter Whisky sind bei Saviva bestellbar. «Wir liefern alles, was Gastronomen brauchen», sagt Walter Künzler, der durch diesen Ameisenhaufen führt. Als Besucher des Zentrallagers muss man trotz gelber Leuchtweste stets auf der Hut sein. Das bringt Künzler, Leiter Supply Chain Management und Logistik, zum Schmunzeln: «Sie müssten am Nachmittag da sein, da geht es erst richtig los.»

Spagat für den neuen Kunden

Das Liefertempo von Amazon & Co. hat auch den Grosshandel erfasst. Bei Saviva, einem der drei Leader im Schweizer Gastrogeschäft, gilt heute: heute bestellt, morgen geliefert. Kann die Bahn diesen Anforderungen gerecht werden? Ja, wie sich zeigt. Mit der Bahn können die Güter nämlich über Nacht transportiert und frühmorgens ausgeliefert werden. Was simpel klingt, war mit Anstrengungen seitens SBB Cargo verbunden. «Wir haben einen ziemlichen Spagat gemacht, um das Projekt erfolgreich zu implementieren», sagt Patrik Dober von SBB Cargo. In enger Zusammenarbeit mit dem Migros-Mutterkonzern konnten die Verantwortlichen letztlich aber die gewünschte, nachhaltige Lösung finden.

Das Ergebnis lässt sich sehen: Seit Juli 2019 werden kontinuierlich Verkehre von der Strasse auf die Schiene verlagert. Heute fährt das Rangierteam von Regensdorf jeden Morgen zwei gedeckte Kühlwagen mit Schiebewänden durch die Industriezone von Regensdorf zum aus jahrzehntelangem Dornröschenschlaf erwachten Anschlussgleis.

Der erste Wagen ist bis 13.15 Uhr gefüllt und fährt in die Romandie zum Migros-Verteilzentrum in Ecublens, mit Ankunft um 3 Uhr früh. Der zweite für das Tessin rollt um 19 Uhr nach San Antonino und trifft dort um 5 Uhr ein. Beide sind prallvoll geladen mit Ware auf Rollgittern für Hotels, Restaurants, Spitäler, Heime und andere Kunden. Auch die Rückfahrt wird genutzt, so etwa für Reis aus der Riseria Taverne. Noch bewältigen zwei Bahnwagen pro Tag erst einen kleineren Teil der 800 bis 1000 Rollgitter, die jeden Tag aus Regensdorf ausgeliefert werden. Das Gros reist weiterhin noch auf der Strasse zu den Verteilzentren und den Kunden.

Ringen um Franken und Minuten

Für Walter Künzler steht Saviva punkto Bahnbenützung folglich erst am Anfang. Kurzfristig sieht er ein Potenzial von sieben Wagen pro Tag. Dazu muss das bestehende Anschlussgleis verlängert und die Verladerampe so ausgebaut sein, dass vier Wagen gleichzeitig beladen werden können. «Schon im Sommer kann dies so weit sein, die Baubewilligung von der Gemeinde haben wir bekommen», blickt er voraus.

Nicht allein die CO2-Ziele der ganzen Migros-Gruppe motivieren Saviva zum Ersatz von Strassen- durch Schienentransporte. Im Zug der Integration von Scana sowie Lüchinger + Schmid hat der Grosshändler seine ganze Logistik reorganisiert, frühere eigene Plattformen aufgegeben und in die regionalen Migros-Verteilplattformen eingebettet. Diese besitzen alle Gleisanschluss. Für Künzler, der selbst lange bei der SBB tätig war, ist die Bahn auch eine Herzenssache. Aber nicht nur das: Mit gleicher Akribie wie den Frankeneffekt einiger zusätzlicher Hochregale in Franken kalkuliert der Logistiker den Wert der zusätzlichen Bahnwagen an der Verladerampe: «Wir gewinnen glatt 200 Quadratmeter Lagerfläche – das fällt ins Gewicht.»

So ist denn fast alles im grünen Bereich. Auch für Rampenchef Dario Bernasconi, der sagt: «Es läuft sehr gut, die Rangierteams sind pünktlich und zuvorkommend und warten auch mal eine Viertelstunde, wenn der Verlad noch nicht ganz fertig ist.» Einen Wunsch hat Künzler trotzdem noch übrig: «Es wäre toll, könnten wir die letzten Güterwagentüren um 20 Uhr schliessen.»

Fotos: Marvin Zilm

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