Victorinox setzt beim neuen Distributionszentrum auf die Bahn

Der Taschenmesserhersteller Victorinox hat 17 europäische Lagerstandorte aufgelöst und durch ein neues europäisches Distributionszentrum in Seewen bei Schwyz ersetzt. Ein Bahnanschluss sorgt für eine Logistik ohne Stau und für umweltfreundliche Transporte.

Bedeutendstes Unternehmen im Kanton Schwyz ist die Victorinox AG mit Sitz in Ibach. Die Firma stellt die bekannten Schweizer Taschenmesser her, aber auch Haushalts- und Berufsmesser, Uhren, Reisegepäck und Parfum. Bisher verfügte Victorinox in Europa über 17 verschiedene Lagerstandorte. 2014 hat das Unternehmen seine Lagerbewegungen analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass eine Zentralisierung sinnvoll ist.

Das neue Distributionszentrum mit Bahnanschluss ist ein Grundstein für unsere Zukunft.
André Heinrich, Leiter Supply Chain Management

Ein einziges europäisches Distributionszentrum ermöglicht es, eine Bestellung aus verschiedenen Produktgruppen in nur einem Paket mit nur einer Rechnung zu verschicken. Zudem ist es günstiger, ein einzelnes grosses Lager mit Logistikautomatisierung auszurüsten als mehrere kleine.

«Allein aufgrund der Lagerbewegungen hätte sich eigentlich ein Standort im Raum Basel angeboten», sagt Dennis Haverkate. Er arbeitet bei Victorinox als Projektleiter Neubau Distributionszentrum. «Victorinox entschied sich jedoch für Schwyz – als Bekenntnis zu unserem Hauptstandort, aber auch zur Sicherung der hiesigen Logistikarbeitsplätze.» Zudem ermöglicht ein zentrales Distributionszentrum, sechs regionale Aussenlager aufzulösen – mit entsprechender Reduktion des regionalen Werkverkehrs.

André Heinrich, Leiter Supply Chain Management

Bei der Wahl des Grundstücks spielte die Verkehrsanbindung eine grosse Rolle. «Wir möchten bei guter Produktionsauslastung jährlich bis zu 40 Millionen Produkte verschicken», sagt André Heinrich, der bei Victorinox für die globalen Lieferketten verantwortlich ist. Da Victorinox in Seewen bereits über ein geeignetes Gelände mit Bahnanschluss verfügte, war schnell klar: Hier soll das neue Distributionszentrum gebaut werden. Auch ökologische Überlegungen flossen in den Entscheid ein: Schienentransporte sind wesentlich nachhaltiger als Strassentransporte.

Zudem hätten Letztere eine substanzielle Zunahme des Schwerverkehrs im ohnehin schon verkehrsbelasteten Talkessel von Schwyz bedeutet. Victorinox hat das neue Distributionszentrum ab September 2020 nach und nach in Betrieb genommen. Bei der Auflösung der bisherigen 17 europäischen Lager wurden rund 15 000 bis 18 000 Paletten mit Waren nach Schwyz transportiert. Davon hat SBB Cargo in der Schweiz rund 30 Prozent befördert. Allein aus Belgien kamen 130 Bahnwagen mit Paletten.

Bahnimporte vorwiegend aus Asien

Die per Bahn transportierten Güter sind in Container gepackt, die 20 oder 40 Fuss lang sind. Sowohl die von SBB Cargo importierten Güter als auch die exportierten sind ein Neugeschäft, das nun seit November 2020 läuft.

Die Importe – vorwiegend in Asien hergestelltes Reisegepäck für den europäischen Markt – gelangen per Schiff nach Basel, Rotterdam oder Antwerpen und von dort per Bahn in die Schweiz. Pro Jahr handelt es sich um 200 bis 300 Container. Ab der Schweizer Grenze ist SBB Cargo mit ihrem Angebot Swiss Split zuständig für die Weiterfahrt. Die Güterbahn transportiert auf demselben Zug Container für verschiedene Kunden. Für die Feinverteilung von Vorteil ist deshalb, dass es im Raum Schwyz gleich mehrere Firmen gibt, die über ein Anschlussgleis verfügen und daher per Bahn bedient werden können. So sind die Wege zu den einzelnen Kunden kürzer.

Foto: Remo Inderbitzin

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