Die Bahn macht Zeitungspapier umweltfreundlicher

In Perlen im Kanton Luzern steht die mittlerweile einzige Fabrik der Schweiz, die noch Zeitungspapier herstellt. Ein Besuch vor Ort gibt Einblick in den Papierkreislauf, bei dem auch die Güterbahn eine wichtige Rolle spielt.

Um Zeitungspapier herzustellen, braucht es viel Wasser. Die meisten Papierfabriken wurden deshalb an einem Fluss gebaut wie die vor bald 150 Jahren gegründete Perlen Papier AG im Kanton Luzern, die an der Reuss liegt. Weiter benötigt man zur Herstellung neben Energie in erster Linie wiederum Papier, nämlich Altpapier. Eine Ladung rollt gerade auf vier Bahnwagen in Kippcontainern auf dem Firmengelände an. Ein Bagger ist daran, Haufen von Altpapier in einen Schacht zu schaufeln, von wo es mit einem Förderband in die Aufbereitungsanlage transportiert wird. Vor uns türmen sich unter einem Dach meterhohe Berge von Zeitungen und Magazinen, die darauf warten, in neues Zeitungspapier verwandelt zu werden.

13 Kilometer Werkgeleise

«Bahn und Recycling, das passt zusammen», sagt Alain Probst. Er ist Leiter Supply Chain Management der Papierfabrik in Perlen und Mitglied der Geschäftsleitung. Die Firma setzt seit Jahrzehnten auf die Bahn, weil diese grosse Mengen transportieren kann. «Und weil sie zu unserem ökologischen Anspruch passt.» Die Firma Perlen verfügt über 13 Kilometer eigene Gleisanlagen und vier Rangierloks. SBB Cargo bringt die Wagen mit Altpapier jeweils zum Bahnhof Gisikon-Root, wo sie von der Werkbahn abgeholt werden. Auch beim Abtransport der fertigen Zeitungspapierrollen hat die Bahn einen wichtigen Anteil, vor allem für Verkehre innerhalb der Schweiz.

Mit 90 Prozent Altpapier zu neuem Papier

Nach einem langen Marsch durch Gänge und über endlose Treppen stehen wir endlich vor der Papiermaschine, einem grauen Giganten, rund 200 Meter lang und 10 Meter hoch, dem eigentlichen Herzstück der Anlage. Mitarbeitende sind zunächst keine zu sehen, alles läuft automatisch. Die Altpapierfasern, die mit rund 10 Prozent Fasern aus Fichtenholz und Hilfsmitteln angereichert wurden, werden im Innern des Kolosses zunächst gesiebt, dann gepresst und mit Dampf getrocknet. Das produzierte Zeitungspapier flitzt mit einer Geschwindigkeit bis zu 120 Kilometern pro Stunde über die Maschine und wird zu einer riesigen Rolle, dem sogenannten Tambour, aufgewickelt. Da ein ohrenbetäubender Lärm herrscht, gehen wir in den Kontrollraum. Hier blicken einige Angestellte konzentriert auf die Monitore. «Die Anlage muss genau überwacht werden», erklärt Probst. So müsse etwa die Dicke des Zeitungspapiers auf einige Tausendstelmillimeter genau stimmen, damit der Kunde später beim Zeitungsdruck keine Probleme bekommt. Zu den Klienten gehören grosse Schweizer Medienhäuser wie die TX Group (Tamedia) oder CH-Media.

Lesen Sie den ganzen Beitrag in unserem Cargo Magazin.

Jährliche Bahntransporte für Perlen Papier:

  • 56 000 t Altpapier, Holz und weitere Güter
  • 66 000 t Hilfsstoffe
  • 60 000 t Neupapier

 

 

Fotos: Daniel Winkler

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