Diskussion des TIS: Wie sieht der Eisenbahnwagen der Zukunft aus?

Der Technische Innovationskreis Schienengüterverkehr (TIS) hat sich heute am Stand der «SwissMovers» zu einer Podiumsdiskussion zum «Innovativen Eisenbahngüterwagen 2030» getroffen. Der gefüllte Saal und die engagierte Debatte zeigte, wie gross das Interesse der Branche an dem Thema ist.

mues Moderator Jürgen Mues, Leiter Asset Management von SBB Cargo AG, stellte zunächst die Zukunftsinitiative «5L» vor. Die Abkürzung steht für die integrierte Umsetzung der fünf Wachstumsfaktoren bezogen auf Eisenbahngüterwagen: leise, leicht, logistikfähig, laufstark und Lifecycle-Cost-orientiert.

Neben SBB Cargo gehören aktuell acht weitere Unternehmen aus allen Sektoren des Schienengüterverkehrs in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu: So BASF, DB Schenker Rail, DB Waggonbau Niesky, Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge, Rail Cargo Austria, ThyssenKrupp, VTG und Waggonbau Graaff. Die wissenschaftliche Leitung haben die Eisenbahn-Lehrstühle der TU Dresden und der TU Berlin inne. «Es gibt ein grosses Interesse von weiteren Unternehmen, dabei mitzumachen», konnte Jürgen Hüllen, CTO der VTG AG, mitteilen. Er gab zunächst einen Übblick darüber, was seit der Vorstellung des «Weissbuch innovativer Eisenbahngüterwagen 2030» vor einem Dreiviertel Jahr geschehen ist.

Darin zeigt die Initiative in einem Stufenplan auf, welche Schritte durch technische Neuerungen am Güterwagen bis zum Jahr 2030 notwendig sind, um die Wettbewerbsposition des Schienengüterverkehrs gegenüber anderen Verkehrsträgern zu stärken. Der Güterwagen der Zukunft lässt sich beispielsweise automatisch kuppeln und meldet seinen Betriebszustand oder allfällige Störungen in Echtzeit an den Lokführer und die Leitstelle. «Inzwischen sprechen wir nicht mehr nur über das Was, sondern auch über das Wie der geplanten Innovationen», betonte Hüllen. Nachdem die beteiligten Akteure eine gemeinsame Sprache gefunden hätten, könne nun über die konkrete Umsetzung nachgedacht werden. Seit der Veröffentlichung des «Weissbuchs» habe die Arbeitsgruppe TIS (Technischer Innovationskreis Schienengüterverkehr) intensiv weitergearbeitet.

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Auf ihrer heutigen Podiumsdiskussion, an der neben Jürgen Hüllen und Jürgen Mues noch Dr. Miroslav Obrenovovic, Leiter (VP) Europäische Technikstrategie & Innovation bei DB Schenker Rail, Dr. Bernhard Heyder, Leiter Service-Zentrum Bahn der BASF, und Dr. Gerd Fregien, Leiter „Betreuung Bahngesellschaften“ bei Knorr-Bremse Systeme für Schienenfahrzeuge GmbH, teilnahmen ging es bereits um Details. Innovative Drehgestelle, Sensorik/Telematik, Kupplungssysteme, Leichtbau/Innovative Materialien, Innovater Aufbau – das sind die fünf zentralen Aktionsbereiche des TIS.

Einhellige Meinung der Podiumsteilnehmer: Die bisherige Arbeit kann sich sehen lassen. In zwei Pilotprojekten wird der im Weissbuch propagierte Ansatz bereits in der Praxis getestet. So wurden zum einen Mindeststandards von Telematik- und Sensorikausrüstungen für Güterwagen erarbeitet, um die Kommunikation und Koordination zu verbessern. Zum anderen wurde ein technisch-betriebliches Anforderungsprofil für ein Standarddrehgestell definiert. Weitere Projekte wurden bzw. werden zeitnah zu den anderen Themenfeldern aufgelegt. Alle Vorhaben werden zudem mit dem Querschnittsprojekt «LCC-/Ertragswertmodelle & Innovative Prozesse» verknüpft. Bei Letzterem steht insbesondere die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit sowie der Nutzen der einzelnen Basisinnovationen für die jeweiligen Akteure und das System des Schienengüterverkehrs im Fokus.

Ab 2014 ist geplant, den TIS durch eine bis dahin zu schaffende zielgerichtete Organisationsstruktur mit klaren Verantwortlichkeiten effizient zu führen. «Der Kreis ist offen für weitere Beteiligung und Unterstützung», resümierte Jürgen Mues. Auch strebe man einen breiten Konsens des Sektors – auch auf EU-Ebene, wie z.B. Kooperation mit Shift2Rail an – sowie die planmäßige Umsetzung der im Weißbuch »Innovativer Eisenbahngüterwagen 2030» angestrebten Maßnahmen.

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