Starker Franken: «Der beschleunigte Strukturwandel setzt sich fort»

Grosse Probleme bereitet der starke Franken der Maschinen-, Elektro und Metallindustrie. Diese werde aber nicht untergehen, sagt Hans Hess, Präsident des Branchenverbands Swissmem. Beitrag zwei unserer kleinen Serie.

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Der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) setzt die Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank vor einem Jahr mächtig zu. Die Exporte der Branche gingen laut einer Medienmitteilung des Verbands Swissmem in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 um 3,9 Prozent zurück. Die Ausfuhren entsprachen noch einem Wert von 46,8 Milliarden Franken. Der Rückgang war in den ersten zwei Quartalen relativ moderat, erreichte aber im dritten Quartal satte 7,3 Prozent (gegenüber der Vorjahresperiode). Dabei waren die Bereiche Maschinen, Metalle und Elektronik betroffen, nur bei den Präzisionsinstrumenten konnte das Exportniveau knapp gehalten werden (- 0,7 Prozent).

Regelrecht eingebrochen ist die Zahl der neuen Aufträge. Diese sanken im dritten Quartal 2015 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 12,8 Prozent. Swissmem geht davon aus, «dass sich der durch die massive Überbewertung des Schweizer Frankens ausgelöste, beschleunigte Strukturwandel fortsetzen wird», wie der Branchenverband in der Medienmitteilung von Ende November schreibt. Die Jahreszahlen 2015 werden an der Medienkonferenz des Verbands Ende Februar publiziert. Laut einer Schätzung von Swissmem-Präsident Hans Hess sind im letzten Jahr in der Branche 10‘000 Stellen abgebaut worden, wie er diese Woche in einem Interview mit der Beilage «Indices» der Westschweizer Zeitung «L’Agefi» sagte. Die Europäische Union ist mit Abstand der wichtigste Markt für die MEM-Industrie.

Bereits vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses vor einem Jahr hatte die Maschinen-, Elektro und Metallindustrie mit einem Strukturwandel zu kämpfen, wie Hans Hess an der Halbjahres-Medienkonferenz laut dem Redemanuskript sagte. Schon in den Jahren zuvor waren zahlreiche Arbeitsplätze ins Ausland verlagert worden. Zurzeit beschäftigt die MEM-Industrie rund 330‘000 Mitarbeitende in der Schweiz. Im Ausland arbeiteten heute für dieselben Unternehmen weitere 560‘000 Mitarbeitende.

Am meisten setzt laut Hess der starke Franken den kleineren Unternehmen zu, deren Kosten vollständig in der Schweiz anfallen und die Produkte herstellen, die grösstenteils in den Export gehen. Weniger betroffen sind grössere und mittlere Unternehmen, die international aufgestellt sind und ihre Produktion bereits in den EU-Raum verlagert haben.

Die Lage ist aber nicht hoffnungslos: Die Schweizer MEM-Industrie «wird nicht untergehen», gab sich Hess überzeugt. Die Mehrheit der Unternehmen werde auch dieses Hochwasser überleben. Leicht entspannen könnte sich die Situation in der Tat schon, wenn sich der Euro-Kurs im laufenden Jahr bei 1,10 Franken einpendelt, wie die meisten Finanzanalysten erwarten.

Teil 1: Interview mit Mathias Binswanger

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