Güterverkehr im Wandel – Beat Lampart (Teil 2)

Beat Lampart entschied sich im Jahr 1999 bei der Aufteilung der SBB in Divisionen für den Güterverkehr, obschon dieser damals einen schlechten Ruf hatte. Teil 2 in unserer Serie zur schwarzen Null bei SBB Cargo.

Beat Lampart, 1998Beat Lampart, 2014

Beat Lampart (links im Jahr 1998, rechts 2014)

Im Jahr 1999, als die SBB in die Divisionen aufgeteilt wurde, kam für Beat Lampart die Stunde der Entscheidung: Der ehemalige Stationslehrling war schon fast 30 Jahre bei der SBB und musste wählen, ob er fortan beim Personenverkehr, Güterverkehr oder bei SBB Infrastruktur arbeiten wollte (die Division Immobilien kam erst später dazu).

Der Güterverkehr hatte damals einen schlechten Ruf. Die Vorgesetzten rieten Lampart davon ab. Wer sich nicht ans Reglement hielt, war in frühen Jahren manchmal sogar dorthin «strafversetzt» worden. Und doch entschied sich Lampart schliesslich für den Güterverkehr. Warum diese Wahl? «Hier gab es das grösste Potenzial für Verbesserungen, diese Herausforderung reizte mich», sagt er. Er meldete sich bei Nicolas Perrin, dem heutigen CEO, der betraut wurde, die Division Cargo  aufzubauen. «Ich wollte nicht warten, bis ich irgendwo eingetopft wurde, sondern selber aktiv werden.» Als Leiter der Produktionsregion Zürich half er entscheidend mit, das neue Güterbahnunternehmen auf die Schiene zu bringen. Zum Beispiel galt es, das Konzept der regionalen Cargo Produktion (RCP) zu entwickeln und damit die Rangierteams direkt von SBB Cargo statt von den Bahnhofvorständen zu führen.

Inzwischen ist er 61 Jahr alt, hat viele grosse Projekte zur Effizienzsteigerung geleitet – und ist immer noch voll motiviert bei SBB Cargo. «Das positive Jahresergebnis ist das beste, was uns passieren konnte», sagt er. Lampart war sich zeitweise nicht sicher, ob er diesen Erfolg noch vor seiner Pensionierung feiern kann. Ursprüngliche Prognosen gingen erst vom Jahr 2016/2017 aus, in dem das geschafft würde. Umso grösser ist nun seine Freude, und er feiert die schwarze Null zusammen mit seiner Frau, den beiden erwachsenen Töchtern und den zwei Enkeln Mitte April an einem Mitarbeiterfest im Rangierbahnhof Limmattal.

Sein Vater war schon bei der SBB. Er stand noch am Telegraphen und morste, um Zugsanordnungen und Verspätungen zu übermitteln. Heute kommuniziert man per Computer, trägt T-Shirts aus China und trinkt Wein aus Argentinien. Immer mehr Waren kommen per Container aus Übersee in die Schweiz, und Beat Lamparts Aufgabe ist es, für den Umschlag dieser Fracht in der Schweiz neue Terminals zu planen. Die Bahnwelt und die Logistik haben sich gewaltig verändert. Dass seine Töchter einen andern Weg einschlugen und nicht bei der SBB arbeiten, ist für ihn kein Problem. «Jede und jeder muss seinen Beruf selbst wählen. Das hat mir übrigens schon mein Vater gesagt.» Beat Lampart hat seinen Entscheid nie bereut.

Nach über 40 Jahren schreibt der Güterverkehr bei der SBB im Jahr 2013 wieder schwarze Zahlen. Wie kam es vom letzten positiven Ergebnis zum aktuellen? Dazu erscheint auf dem Cargo Blog eine kleine Serie, in der sich langjährige Mitarbeitende erinnern.

Bisher erschienen: Pierre Noethiger (Teil 1)

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