Zukunft der Logistik (4): Der Kapitän verlässt das Schiff

Ein Schiff, das an die Steckdose muss und auf jegliches Personal verzichtet: Das Modell «ReVolt» ist eine schwimmende Kiste, die bis zu 100 Container transportieren will.

schiff
Laut den Berechnungen der Forscher soll «ReVolt» über die Lebensdauer von 30 Jahren rund 27 Millionen Euro an Betriebskosten einsparen.

Über 90 Prozent des weltweiten Warenhandels werden heute über Handelsschiffe abgewickelt, und die Containerbeförderung wächst rasant weiter. Rund 45 000 Frachter sind mittlerweile auf den Weltmeeren unterwegs und verursachen enorme Kosten, Umweltbelastungen und Unfallrisiken. Wenn das autonome Fahren auf den Strassen möglich ist, warum nicht auch auf dem Meer?

Das dachte sich auch der deutsch-norwegische Technik-Dienstleister DNV GL und entwickelt nun mit «ReVolt» ein funktionsfähiges Modell für die unbemannte Schifffahrt, das aussieht wie eine spitz zulaufende, schwimmende Kiste. Ein solches Transportschiff hätte nicht nur den Vorteil ohne Personal – und die damit verbundenen Kosten – unterwegs zu sein. Neben der grösseren Ladefläche wären auch die technischen Betriebskosten niedriger, da der elektrische Antrieb mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad arbeitet als ein herkömmlicher Dieselmotor.

Konzipiert ist «ReVolt» als 60 Meter langes und 14,5 Meter breites Containerschiff, das ohne Kapitän und Matrosen an Bord rund 100 Standardcontainer auf relativ kurzen Strecken transportieren kann – etwa entlang der norwegischen Küste. Dort könnten seine Akkus bei jedem Stopp aufgeladen werden. Denn die Reichweite des umweltfreundlichen Antriebs ist mit ungefähr 100 Seemeilen – gut 185 Kilometer – eher kurz. Dann muss das Schiff für vier Stunden an die Steckdose.

Laut den Berechnungen der Forscher soll «ReVolt» über die Lebensdauer von 30 Jahren rund 27 Millionen Euro an Betriebskosten einsparen. Mitten auf den Ozeanen sind unbemannte Frachtschiffe dagegen noch ferne Zukunftsmusik: Neben vielen technologischen Herausforderungen sieht sie auch das internationale Schifffahrtsrecht bisher nicht vor.

Weitere Artikel aus dieser Serie:
– Die Zukunft der Logistik: Kommt das Päckli bald aus der Luft?

– Zukunft der Logistik (2): Lastwagen ohne Lenker

– Zukunft der Logistik (3): Bedenken gegen die «Monstertrucks»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.