1:0 für die Güterbahn – Rio baut seinen ersten Kombi-Terminal

Wenn morgen um 22 Uhr das erste Spiel der Fussball-WM angepfiffen wird, richten sich die Augen der Welt auf Brasilien. Im Land am Zuckerhut rollt nicht nur der Ball. Auch auf der Schiene tut sich einiges.

Der erste Schritt ist getan: In dem kleinen Örtchen Queimados erfolgte Ende April der Spatenstich für das erste multimodalen Terminal des Bundesstaates Rio de Janeiro.

Multimodales Terminal in Queimados
So soll der neue Kombi-Terminal im nächsten Jahr aussehen. Grafik: Muito Logística Multimodal

Darunter versteht man ein Terminal, das den Umschlag von Containern ermöglicht – z.B. vom Schiff auf die Schiene. Mit einer Kapazität für den Transport von zwei Millionen Tonnen hochwertiger Produkte aus Petrochemie, Textilwirtschaft und Automobilindustrie soll er dazu beitragen, den Strassenverkehr auf den wichtigsten Autobahnen zu entlasten.

Die Regierung von Rio de Janeiro hatte entschieden, die Nutzung der Schiene für den Güterverkehr nach längerer Zeit wieder aufzunehmen und die Industriezentren im Hinterland über diesen Weg umweltfreundlich mit den Häfen zu verbinden. Das gesamte Eisenbahnnetz ist bereits vorhanden und muss nun für den Einsatz im grossen Massstab wieder reaktiviert werden.

Grundsteinlegung
Governador Luiz Fernando Pezão bei der Grundsteinlegung für das erste multimodale Terminal des Staates Rio. Foto: Bruno Itan

Bei der Grundsteinlegung betonte Gouverneur Luiz Fernando Pezão, dass die künftige Logistik-Drehscheibe eine Revolution sei und für einen Paradigmenwechsel im Güterverkehr in Brasilien stehe. Geplant ist, dass das neue Terminal unter dem Betreiber Muito Logística Multimodal im Jahr 2015 seine Arbeit aufnimmt.

Noch ist das Zukunftsmusik. Nur in der Landeshauptstadt Brasilia, wo die Schweizer Nationalmannschaft am Sonntag um 18 Uhr ihr erstes Spiel gegen Ecuador bestreitet, rollt der Verkehr nahezu flüssig. Die in den 60er Jahren am Reissbrett geplante Metropole mit ihren 2,6 Millionen Einwohnern verfügt über breite Strassen, komplexe Kreuzungen und einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr. In den anderen WM-Städten dagegen werden sich die 600‘000 Fans aus aller Welt, die vom 12. Juni bis 13. Juli zwischen den verschiedenen Spielorten pendeln, auf einige Wartezeiten einstellen müssen.

Selbst verhältnismässig kurze Strecken können Touristen den letzten Nerv rauben, denn in den meisten Grossstädten kommt der Verkehr regelmässig zum Erliegen. Zumal der öffentliche Nahverkehr praktisch inexistent ist, Zugverbindungen fehlen und die U-Bahnen in den Ballungsräumen São Paulo (20,5 Millionen Einwohner) und Rio de Janeiro (12 Millionen) sind angesichts der grossen Bevölkerungsmasse mehr als überfüllt.

Nach Ende der WM fahren die Fans nach Hause, doch die Infrastrukturprobleme bleiben. Mit dem Bau des Terminals und der Renaissance des Schienengüterverkehrs macht das fünftgrösste Land der Erde einen ersten Schritt. Mit einer Terminal-Kapazität zur Verladung von 120‘000 Containern werden auf dem überlasteten Strassen in Rio bald rund 100‘000 Lastwagen im Jahr weniger unterwegs sein.

Quelle: www.brasilnews.de

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