Die Eisenbahnbrücke über die Rhône

In unserer Serie zum 50. Jahrestag des Beginns der Mineralwassertransporte von SBB Cargo für Aproz beschäftigen wir uns heute mit einem Bauwerk, dass die Voraussetzung für diese umweltfreundliche Beförderung schuf.

François Rossini kann sich noch gut an den 4. Juli im Jahr 1961 erinnern. Während wenige Wochen später in Berlin einer Mauer Ost- und Westeuropa teilen sollte, verband an diesem Tag im Schweizer Kanton Wallis erstmals ein neues Bauwerk zuvor getrennte Regionen. „Es war ein grosser Tag für das kleine Aproz, dank der neuen Rhônebrücke und dem privaten Industriegleis plötzlich mit dem Schienennetz der ganzen Schweiz verbunden zu sein“, berichtet der ehemalige Marketing- und Logistikchef des Mineralwasserherstellers, der 1958 als Lehrling zu Aproz gestossen war und inzwischen längst pensioniert ist. Die Einweihung der mit 135 Meter damals längsten Rhônebrücke des Kantons, die zudem von Bahn- und Autoverkehr gleichzeitig genutzt werden konnte, war mit 300 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Justiz und Kirche ein Riesenereignis für die Region. Und François Rossini mittendrin.

Zwei Jahre zuvor hatte die Migros, die Muttergesellschaft von Aproz, mit dem der Eisenbahnbrücke über die Rhône und eines 3,4 Kilometer langen Industriegleises zwischen der Mineralwasser-Fabrik und dem SBB-Schienennetz auf Höhe des Bahnhofs Ardon/Vétroz westlich von Sitten begonnen. „Dieser Bahnanschluss bedeutete für uns einen logistischen Quantensprung“, sagt François Rossini. Denn bis zu diesem Moment wurde das Wasser auf relativ schlechten Strassen via Sitten per Lastwagen befördert. „Die Bahnwagen boten nicht nur eine grössere Ladekapazität, sondern auch effizientere Entladungs- und Beladungsprozesse“, so Rossini. Auch das ökologische Argument für die Transporte mit SBB Cargo existierte bereits damals schon, wobei es sicher noch nicht so wichtig war wie heute.

Mit der Eröffnung der neuen Strecke, die das Werk als Kopfbahnhof direkt an das Bahnnetz anschloss, wurden 32 mit Logo bemalte Holzgüterwagen (Typ: Hhkr) mit einem Fassungsvermögen von je 22 Paletten in Betrieb genommen. Pro Woche überquerten damals 20 beladene Bahnwagen mit dem erfrischenden Nass die Brücke – heute sind es bis zu 50 am Tag, je nach Witterung.

 

 

Teil 3: Aproz-Jubiläum: Durstlöscher für alle Cargo-Mitarbeiter

Teil 2: Migros: Grösste Kundin von SBB Cargo in der Schweiz

Teil 1: Aproz und SBB Cargo: Seit 50 Jahren gemeinsam auf der Schiene

 

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