Logistikkonzept City Hub: Güter-Tram soll Pakete in die Innenstadt bringen

In den meisten europäischen Grossstädten wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Güter mit Strassenbahnen befördert. Doch mit der Zeit geriet dieses umweltfreundliche innerstädtische Transportmittel in Vergessenheit. Doch jetzt soll diese Idee wiederbelebt werden.

In der deutschen Hauptstadt Berlin wird derzeit von den verantwortlichen Politikern über das Logistikkonzept «City Hub» nachgedacht. Um die Belastungen durch den innerstädtischen Lieferverkehr per Lastwagen zu minimieren, sollen möglichst viele Warenlieferungen in Containern zusammengefasst und die Pakete dann von Knotenpunkten aus mit Elektro-Lastenfahrrädern oder Güter-Strassenbahnen zu den Empfängern gebracht werden.

Erfolgreiche Beispiele aus Dresden und Zürich

Vorbilder dafür gibt es bereits: In Dresden war von 2001 bis 2016 die «CarGoTram» unterwegs. Die Güterstrassenbahn verband ein Logistikzentrum mit der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen, wo der Automobilkonzern Luxuskarossen der Marken Phaeton und Bentley montierte. Als die Fahrzeugfertigung endete, wurde der Güterverkehr eingestellt. Doch die beiden Züge der «CarGoTram» werden weiterhin betriebsfähig vorgehalten und könnten jetzt in Berlin eingesetzt werden.

In Zürich dient das «Cargo-Tram» der ERZ Entsorgung + Recycling Zürich und der Verkehrsbetriebe Zürich VBZ seit 2003 der Entsorgung von Sperrgut und Metall in der Innenstadt. 2007 wurde die Strassenbahn durch das E-Tram ergänzt, in dem die Zürcherinnen und Zürcher Elektrogeräte entsorgen können. Die mobilen Recycling-Zentren fahren zu den Kundinnen und Kunden, denn fast die Hälfte der Stadtzürcher Haushaltungen besitzen kein Auto und könnten ihre Wertstoffe sonst nur schwer entsorgen.

Startup könnte konkretes Konzept entwickeln

Auch in Berlin hat es schon einmal Güterstrassenbahnen gegeben. Bis Anfang der 1930er-Jahre beförderten sie Pakete, im Zweiten Weltkrieg Kartoffeln, Mehl und andere Fracht. Fast 500 Triebwagen hatten damals eine Vorrichtung, um Güterwagen zu ziehen. So weit ist man heute noch längst nicht. Denn das «City Hub»-Konzept steckt erst in den Kinderschuhen.

Immerhin: Die Berliner Verkehrsbetriebe stehen der Idee aufgeschlossen gegenüber. «Wenn uns jemand einen Plan vorlegt, werden wir das prüfen», so eine BVG-Sprecherin. Vorstellbar sei etwa ein Startup, das ein konkretes Konzept für den innerstädtischen Gütertransport auf der Schiene entwickele – denn das stehe noch aus.

2 Kommentare zu “Logistikkonzept City Hub: Güter-Tram soll Pakete in die Innenstadt bringen

  1. In Zürich ist das „Güter-Tram“ insbesondere ein Werbemittel der ERZ. Rechnen tut sich das nie!
    In Schaffhausen wurde sogar flüssiges Eisen mit dem Tram durch die Stadt transportiert.
    Genf hatte das grösste Güter-Tram Aufkomme aller Tramnetze in der Schweiz. Es gab unzählige Anschlussgleise. Während des zweiten Weltkrieges führte die einzige Bahnstrecke, die nicht durch die Achsenmächte kontrolliert wurde, nach Genève-Eaux-Vives. Dieser Bahnhof ist nicht mit dem Schweizer Normalspurnetz verbunden. Darum transportierte das Tram die ganzen Bahnwagen huckepack auf Rollschemeln durch die Stadt zum SBB Netz.
    Ob ein zukünftiger Tramtransport realistisch ist, ist mehr als fraglich! Insbesondere da das Transportgut zusätzlich umgeladen werden müsste. Und genau das ist der Kostentreiber.

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