Drei Initiativen für ein Halleluja im Güterverkehr

20 Arbeitsplätze, 66 Bildschirme, 24 Stunden Action: Der neue Kommandoraum im Aarepark Olten ist hoch leistungsfähig und lenkt den Güterverkehr der SBB in der ganzen Schweiz noch effizienter. Der Kommandoraum ist eine von diversen Initiativen, die für SBB Cargo Schweiz und ihre Kunden einen starken Mehrwert bieten. Wir stellen drei davon vor. 

Stolz steht Thomas Wirz, Leiter Transportoperation, im neuen Kommandoraum und deutet auf die topmodernen Arbeitsplätze. Die meisten sind mit vier riesigen, gebogenen Bildschirmen ausgestattet. «Das ist die neuste Technologie. Damit sind wir schneller und besser vernetzt. So läuft auch der Schichtwechsel viel rascher ab.»

Und nebst der Technologie – was ist anders als vorher? Thomas hebt zwei Finger. «Erstens: Vorher übernahm der Kommandoraum erst für die letzten 24 Stunden vor dem Transport, jetzt sind wir für die letzten 48 Stunden zuständig. Damit können wir prompt auf alle kurzfristigen Abweichungen reagieren.» Zweitens? «Wir betreuen alle Kunden aus einer Hand. Nicht mehr nur die A-Kunden, also unsere grössten Kunden, sondern alle.» Dank dieser Neuerungen könne SBB Cargo Schweiz die Verkehre optimieren. Dies sei gut für die Mitarbeitenden und gut für unsere Kunden.

Sind die Kunden denn zufrieden? Thomas schmunzelt: «Zurzeit ist die Pünktlichkeit recht hoch, wir verfügen über genügend Ressourcen – da sind die Kunden zufrieden.» Sofort schiebt er nach: «Der neue Kommandoraum hilft dabei!» Beim Stichwort «Kundenzufriedenheit» denkt er schon weiter – an einen Fortschritt, den der neue Kommandoraum dieses Jahr ausspielen will und der für die Kunden zentral ist: «Die Kundeninformation erfolgt ebenfalls aus einer Hand. Das wird zu einer massiven Verbesserung führen.» Dies sei vor allem dann entscheidend, wenn die Pünktlichkeit mal nicht top sei…

«Qualitätsraum»: Gemeinsam für die Pünktlichkeit

Wir bleiben bei der Pünktlichkeit – und blicken zurück: Im Juni 2025 lag die Pünktlichkeit im Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) bei 88,2 Prozent, im Juli bei 88,6 Prozent – deutlich unter dem Ziel von 90 Prozent. Dies führte dazu, dass sich immer mehr Kunden beschwerten. Was tun? Ende Juli setzte man sich zusammen und schuf den «Qualitätsraum». Zusammen mit Projektleiter Roland Walter übernahmen Vertreter aus den Regionen Tessin, West, Mitte, Ost und RBL die Verantwortung für die Pünktlichkeit. Oberstes Ziel: das Expressnetz stabilisieren und die Pünktlichkeit für die A-Kunden verbessern.

Ein Güterzug im Einzelwagenladungsverkehr fährt in Saint-Saphorin am Genfersee entlang.
Jeder pünktliche Wagen zählt!

«Innert kurzer Zeit haben wir über 60 nachhaltige Massnahmen umgesetzt», erzählt Roland. Ein Beispiel: «Beim Rangierbahnhof Lausanne Triage fuhren wir kurz nacheinander zwei Züge mit der gleichen Lok. War der erste Zug verspätet, übertrug sich die Verspätung auf den zweiten Zug…» Die Lösung? «Nun setzen wir zwei verschiedene Loks ein.» Rasche Verbesserungen erzielte das Team auch damit, dass man gezielt Kunden dafür sensibilisierte, wie wichtig die pünktliche Beladung sei. Fährt der Zug pünktlich ab, ist es viel wahrscheinlicher, dass er auch pünktlich ankommt. Jeder pünktliche Wagen zählt!

Das Resultat: SBB Cargo Schweiz erreichte im Gesamtjahr 2025 eine hohe Pünktlichkeit von 90,2 Prozent – 2,2 Prozentpunkte über Vorjahr! «Wir können noch besser werden», sagt Fabienne Biber, die per Ende Januar 2026 die Leitung des «Qualitätsraums» von Roland Walter übernommen hat. «Nun fokussieren wir auf die Datenqualität und darauf, dass alle Prozesse präzis eingehalten werden.» Denn Fabienne weiss: «Unsere Kunden werden immer anspruchsvoller. Die Pünktlichkeit ist ein Schlüsselfaktor, damit der Güterverkehr langfristig erfolgreich ist.»

«Geschäftsgang steuern»: Rasche und wirksame Massnahmen ergreifen

Am Anfang stand eine Frage von Alexander Muhm, Leiter Güterverkehr der SBB: «Die Mengen verändern sich, die Verkehre verändern sich – was tun wir?» Das war im Herbst 2024 – und der Startschuss zum Prozess «Geschäftsgang steuern». Seither fragt sich ein bereichsübergreifendes Team permanent: Wie können wir bei Veränderungen der Transportmengen möglichst rasch und finanzwirksam Massnahmen ergreifen?

Geleitet wurde «Geschäftsgang steuern» bislang von Stefan Gerber, Leiter Ressourcenplanung. Stefan nennt ein Beispiel: «Nehmen wir den EWLV. Auf einer Strecke von A nach B verlieren wir Transporte im Wert von 100’000 Franken, weil ein Kunde abspringt. Nun fragen wir uns sofort: Welche Züge sind davon betroffen? Wie verändert sich die Auslastung? Was können wir am Fahrplan oder am Rangierkonzept anpassen?» Dann werden rasch Massnahmen beschlossen. «Vielleicht können wir Züge zusammenlegen oder die Zustellung und Abholung bei den Kunden anders organisieren.» Das wirkt sich positiv auf die Finanzen aus. «Eine nicht gebrauchte Lok können wir vermieten oder verkaufen. Mitarbeitende können wir dort einsetzen, wo wir zu wenig Personal haben und sonst rekrutieren müssten.»

Und was hat das im Jahr 2025 konkret eingebracht? «Die Massnahmen aus Geschäftsgang steuern haben eine finanzielle Wirkung von mehreren Millionen Franken erzielt», bilanziert Stefan. Genau so wichtig sei Folgendes: «Dieser Prozess steht für ein Mindset der laufenden Anpassung. Und Anpassungsfähigkeit ist eine Schlüsselkompetenz für unsere gesamte Organisation, damit wir den Güterverkehr in eine erfolgreiche Zukunft steuern!»

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