Tests zeigen: 5L-Zug ist leise und laufstark.

Der 5L-Zug hat Ende 2017 die Pilotphase und damit das Forschungsprojekt abgeschlossen. Die gefahrenen Testkilometer sowie die Lärm- und Klimatests haben die hohen Erwartungen bestätigt: Die Wagen sind leiser und laufstärker als konventionell ausgerüstete Güterwagen. Nun geht der Zug in den Realbetrieb beim Kunden, um zusätzlich zu den Messergebnissen Praxiserfahrungen zu sammeln. Damit wird geprüft, ob die eingesetzten Komponenten auch im Realbetrieb bestehen.

Auf der transport logistic in München vergangenen Mai hat SBB Cargo die ersten vier umgebauten «Güterwagen der Zukunft» präsentiert. Im Herbst waren sämtliche 16 Wagen umgebaut, sodass sie diversen Testreihen unterzogen werden konnten. Heute erhältliche Bestandstechnologie erzielte die guten Messergebnisse.  Die Technologie  wurde nur geringfügig angepasst. Der 5L-Zug fährt los, sobald die kommerzielle Betriebsbewilligung für die Fahrzeuge vorliegt. Während der vierjährige Testphase in der Schweiz und in Europa sammelt der Zug Langzeitdaten.

Leise, leiser, 5L.

Die Messergebnisse für die 5L-Wagen zeigten, dass die Lärmemissionen deutlich abgenommen haben. Die Güterwagen haben in Bezug auf den Lärm bald das Niveau des Personenverkehrs erreicht.  Die Vorgabe, die Lärmemissionen um mindestens 5 Dezibel (dB) zu senken, wurde gar übertroffen. Das klingt erst einmal nach wenig: Eine Pegeländerung von 10 dB wird jedoch subjektiv als Verdopplung beziehungsweise Halbierung der Lautstärke empfunden. Zum Vergleich: Ein Güterwagen mit Grauguss-Bremssohle liegt bei etwa 90 dB Schallenergie; einer mit Verbundstoff-Bremssohlen bei 81 dB. Wird jetzt zu den Scheibenbremsen noch eine so genannte Radabsorption eingebaut, sinkt die Schallenergie um weitere rund 5 dB. Eine Radabsorption schirmt das Rad ab und stoppt den Schall, sodass er sich nicht weiter verbreiten kann. Die neuen Komponenten am Güterwagen können den Schallpegel somit hörbar reduzieren. Genau das wurde beim 5L-Zug umgesetzt.

Weniger Lärm, Verschleiss und Energieverbrauch.

Die Tests haben sowohl die positive Wirkung der einzelnen Komponenten für sich als auch im Zusammenspiel miteinander nachgewiesen.

Der Einsatz neuer Drehgestelle, Radsätze und Scheibenbremsen ist für ein Unternehmen wie SBB Cargo sinnvoll und wird künftig bei Neuanschaffungen von Rollmaterial berücksichtigt werden

sagt Jens-Erik Galdiks, Mitinitiant des Projekts 5L bei SBB Cargo. Die parallel durchgeführten Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der neuen Komponenten konnten ebenfalls überzeugen. Sie wiesen nach, dass es auch ökonomisch gerechtfertigt ist, vermehrt auf neue Technologie zu setzen und damit alte Standards abzulösen. Auch der Einsatz der automatischen Kupplung hat neue Erkenntnisse gebracht. Nicht nur in Bezug auf die Automatisierung des Bahnbetriebs, sondern auch, um das Rollmaterial zu optimieren. Mit der automatischen Kupplung wird nämlich der Verschleiss an Wagen und Infrastruktur vermindert und Traktionsenergie eingespart.

5L im Überblick.

Das Kürzel 5L steht für leise, leicht, laufstark, logistikfähig und life-cycle-kostenorientiert. Der innovative Güterzug besteht aus insgesamt 16 Containertrag-Wagen. Sie sind mit einer Vielzahl von innovativen Komponenten – wie zum Beispiel radial einstellbaren Radsätzen an den Drehgestellen, Scheibenbremsen, automatischer Kupplung, Telematik, Schalldämpfmassnahmen und Sensorik – ausgestattet. Die Güterwagen der Zukunft hat SBB Cargo gemeinsam mit dem Technischen Innovationskreis Schienengüterverkehr (TIS), dem Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) und etlichen Industriepartnern entwickelt.

2 Kommentare zu “Tests zeigen: 5L-Zug ist leise und laufstark.

  1. Sofern ich das richtig verstanden habe, werden die automatischen Kupplungen C-AKv und Schaku in den Wagen verwendet.
    Während mit der C-AKv der Mischbetrieb mit der Schraubenkupplung durch die integrierte GZK im Kupplungskopf funktioniert, frage ich mich wie der Mischbetrieb mit der Schaku realisiert wird?
    Erfolgt der Einsatz nur zwischen den Einheiten mit der selben Kupplung oder gibt es einen Adapter, von dem ich noch nichts weiß?

    1. Guten Abend
      Von unserem Fachdienst habe ich folgende Antwort erhalten:
      Die Hybridkupplung an der Lok stellt nur die universelle Einsetzbarkeit der Loks sicher. Daher sowohl im konventionellen Schraubenkupplungs-Modus, aber auch eben mit der automatischen Kupplung (Prinzip Schaku).
      Die mit einer automatischen Kupplung ausgerüsteten Güterwagen können nur sortenrein untereinander (daher andere Güterwagen mit automatischer Kupplung) oder mit einer Lok mit einer Hybridkupplung gekoppelt werden. Ein Mischbetrieb von Wagen mit automatischer Kupplung und mit konventioneller Schraubenkupplung ist nicht möglich.
      Für konventionelle Loks mit Schraubenkupplung sowie für die LRZ (Lösch- und Rettungszüge) gibt es sog. «Übergangskupplungen» mit denen die Loks behelfsmässig auch mit Wagen, die mit einer automatischen Kupplung ausgerüstet sind, verbunden werden können.
      Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.
      Freundliche Grüsse
      Peter Imfeld, SBB Cargo Kommunikation

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